Madagaskar

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    viertgrößte Insel der Erde und französische Kolonie vor der Südostküste Afrikas mit 588 000 km² und 3,9 Millionen Einwohnern (1939), davon knapp 30 000 Franzosen, Hauptstadt Tananarive. Madagaskar verblieb nach dem Zusammenbruch Frankreichs im Juni 40 unter Vichy-Verwaltung und bedeutete wegen seiner Lage mitten in den Seewegen von Europa um das Kap der Guten Hoffnung in den Indischen Ozean eine ständige Gefahr für die britischen Transporte in den Nahen und Fernen Osten, v.a. der Nachschub der britischen 8. Armee in Libyen lief zum großen Teil durch die Straße von Moçambique zwischen Madagaskar und dem afrikanischen Festland. Generalgouverneur Annet hatte Weisung, die souveränen Rechte Frankreichs gegen jeden Angreifer zu verteidigen. In London mehrten sich jedoch seit Anfang 42 die Befürchtungen, Vichy könne Tokio - ähnlich wie in Indochina - auf Madagaskar Stützpunkte überlassen. Schließlich beschloss das britische Kriegskabinett das Unternehmen "Ironclad" zur Besetzung der Insel, um den Japanern zuvorzukommen. Erste Etappe war die Eroberung des Hafens Diégo Suarez (5.-7.5.42) an der Nordspitze, die erste amphibische Operation der Briten. Hier torpedierten am 30./31.5. japanische Klein-U-Boote das britische Schlachtschiff Ramillies. Da eine Einigung mit dem französischen Gouverneur über eine Duldung der britischen Kontrolle nicht zu erzielen war und die Regierung der Südafrikanischen Union auf die völlige Besetzung der Insel drängte, nahmen die Briten am 10.9. ihre militärischen Operationen wieder auf. Am 23.9. besetzten sie kampflos die Hauptstadt Tananarive, am 5.11.42 gaben die hoffnungslos unterlegenen Verteidiger von Madagaskar auf. Die zweite Phase des Feldzugs hatte die Briten noch einmal 107 Gefallene gekostet, hinzu kamen die Verluste durch Malariaerkrankungen. Im Dezember 42 wurde die Übergabe von Madagaskar an de Gaulles Freifranzosen vereinbart.

    Madagaskar spielte nach dem deutschen Sieg über Frankreich vorübergehend eine Rolle bei den Planungen der SS die europäischen Juden betreffend: Ehe die Judenverfolgung in ihr mörderisches Stadium trat, erwog man eine "territoriale Endlösung der Judenfrage" durch Deportation der Betroffenen nach Madagaskar, was aber wegen der britischen Seeherrschaft, dem fehlenden Friedensvertrag mit Frankreich, den Niederlagen in Russland und der völlig unlösbaren Transportprobleme Utopie blieb.