Mölders-Brief

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    raffinierte britische Fälschung aus dem Büro von Sefton Delmer, die ein angebliches Schreiben von Mölders an den katholischen Propst Johst von Stettin enthielt und nach dem Unfalltod des populären Jagdfliegers (22.11.41) seit Januar 42 in zahllosen Abschriften im gesamten Reichsgebiet auftauchte. Der maschinenschriftliche Text war von Elic Howe auf gefälschten Funkerbögen der Luftwaffe gedruckt worden; seine Verbreitung per Abwurf besorgten britische Jagdbomber bei einem Nachteinsatz im Raum Münster. Delmers Schwarzsender "Gustav Siegfried 1" verbreitete zusätzlich das Gerücht, der praktizierende Katholik Mölders sei im Rahmen des antichristlichen Feldzugs der NSDAP von "Himmlers Untermenschen" abgeschossen worden. Der Mölders-Brief wurde als besonders eindrucksvolles Dokument katholisch motivierter Opposition gegen das nationalsozialistische Regime interpretiert und gerade deshalb für echt gehalten. Dieser Eindruck brachte dem Mölders-Brief bei den Gläubigen beider Konfessionen hohe Publizität. So meldete die Gestapo in Nürnberg-Fürth im April 42, in ihrem Bereich hätten nicht weniger als 11 katholische und 7 evangelische Geistliche den Brief im Gottesdienst verlesen und Abschriften seien in München und Oberbayern im Umlauf. Selbst die BBC und der sowjetische Rundfunk griffen den Fall auf und berichteten ausführlich über den Mölders-Brief. Goebbels sah in dem Schreiben eine plumpe Fälschung der katholischen Kirche und veranlasste, dass die Gestapo nach den Verbreitern des "defaitistischen Machwerks" intensiv fahndete und eine Belohnung von 100 000 RM für die Ergreifung des Verfassers aussetzte. Der Mölders-Brief war zweifellos das erfolgreichste Produkt der schwarzen Propaganda während des Krieges. An seine Echtheit wurde in Deutschland noch lange nach dem Krieg geglaubt, bis Sefton Delmer in seiner Autobiographie "Die Deutschen und ich" das Geheimnis 1962 lüftete.