Luftwaffenhelfer (HJ)

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    offizielle Bezeichnung für 15-17-jährige Schüler, die als Flakhelfer seit Februar 43 im Rahmen des Kriegshilfsdienstes bei der Reichsverteidigung im Luftkrieg eingesetzt waren (Verordnung vom 26.1.43), nachdem sich herausgestellt hatte, dass die seit Mai 42 für die Heimatflak herangezogenen Kräfte bei weitem nicht ausreichten. Die Luftwaffenhelfer (HJ) sollten Flaksoldaten für die Front frei machen. Die ursprüngliche Formel 100 Luftwaffenhelfer für 70 Soldaten wurde bald revidiert, da sich die oft fanatisch kämpfenden Jungen den vielfach schon skeptischen Landsern als mindestens ebenbürtig erwiesen. Sie übernahmen bald sämtliche Funktionen selbst an den schweren Fla-Geschützen vom Munitionskanonier bis zum Geschützführer. Meist waren sie in Batterien zusammengefasst, bei denen lediglich Stamm- und Ausbildungspersonal aus regulären Soldaten bestanden. Für schwere Arbeiten wie Munition schleppen und Stellungsausbau standen nicht selten ausländische Hilfswillige zur Verfügung; nach langen nächtlichen Alarmen gab es Sonderrationen in Gestalt von Drops und Keksen. Schulklassenweise eingezogen, erhielten die Luftwaffenhelfer weiterhin - zunehmend eingeschränkten - Unterricht. Meist kamen Lehrer in die Flakstellung; wo es entfernungsmäßig möglich war, gaben sie in nahe gelegenen Schulen ihre Stunden, wobei man bei Einflügen frühzeitig Alarm auslöste. Bis Kriegsende dürften insgesamt 200 000 Luftwaffenhelfer (und Marinehelfer) im Einsatz gewesen sein, die Jahrgänge 26 und 27 gingen im Lauf des Jahres 44 zu RAD- und Wehrdienst ab. Genaue Daten über Verluste unter den Luftwaffenhelfern existieren nicht, doch lassen Berichte von zahlreichen Volltreffern in Flakstellungen hohe Opferzahlen vermuten. Bei einheitlicher (Ausgeh-)Uniform der Flieger- bzw. Marine-HJ gehörten die Luftwaffenhelfer offiziell der Hitlerjugend an, ein Umstand, den die Mehrzahl der sich als Soldaten fühlenden Jungen ablehnte. Da sie als Hitlerjungen keinen Kombattantenstatus hatten, wurden die Luftwaffenhelfer in der letzten Kriegszeit teilweise entlassen und gewöhnlich sofort zur Wehrmacht eingezogen. Soweit sie als Luftwaffenhelfer im Fronteinsatz standen, machte man sie meist noch schnell zu Flaksoldaten, da ihnen sonst bei Gefangennahme mit allen Konsequenzen die Behandlung als Partisanen drohte.