Luftschutz

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    allgemein Gesamtheit der Maßnahmen zum Schutz vor Luftangriffen im Kampfgelände oder im Heimatkriegsgebiet. Der Luftschutz im Feld umfasste die von der Luftwaffe wahrgenommene Fern- und die durch Flak oder andere Mittel der Luftabwehr (Tarnung, Vernebelung u.a.) zu leistende Nahverteidigung. Luftschutz im eigentlichen Sinne aber war der Schutz der Zivilbevölkerung vor Bombern und Tieffliegern. Im Deutschen Reich wurde dazu gleich nach Hitlers Machtübernahme am 29.4.33 der Reichsluftschutzbund (RLB) gegründet, der dem Reichsministerium für die Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe unterstand und 1944 von der NSDAP übernommen wurde. Er bildete die Luftschutzwarte aus, die wiederum die so genannten Luftschutzgemeinschaften in einzelnen Häusern oder Häuserblocks führten. Mit Luftschutzgesetz vom 26.5.35 wurde eine Luftschutzpflicht eingeführt, die eine Dienstpflicht (Fliegeralarm, Verdunkelung, Brandbekämpfung, Erste Hilfe, Räumarbeiten u.a.) und eine Sachleistungspflicht (Bau von Luftschutzräumen, Bereitstellung von Gerät u.a.) vorsah. Bei Kriegsbeginn verfügte der RLB über 13,5 Millionen Mitglieder, 820 000 Amtsträger und 28 000 Luftschutzlehrer in 3800 Luftschutzschulen, zu deren Lehrgängen jeder verpflichtet werden konnte. Besondere Aufgaben waren dem betriebliche Luftschutz (Werkluftschutz) zugewiesen, der der Reichsgruppe Industrie unterstellt war (Bahn und Post organisierten einen eigenen Luftschutz).

    Kernstück des Luftschutzes war der so genannte Selbstschutz, der unter Leitung des Luftschutzwarts Hausfeuerwehr, Laienhelfer und Melder einsetzte. In regelmäßigen "Vollübungen" wurde aufeinander abgestimmtes Handeln trainiert. Damit sollte erreicht werden, dass behördliche Kräfte nur bei übergeordnetem Notstand eingesetzt werden mussten. Zum Selbstschutz gehörte daher die Bereithaltung von Volksgasmasken, Luftschutzgepäck, Hausapotheke (Verbandsmaterial, Vaseline, Schienen, Natron, Baldrian, Tücher u.a.), Verdunkelungsvorrichtungen, Löschgeräten (Feuerpatschen, Schaufeln, Äxte, Wassereimer u.a.) sowie eines Luftschutzraums (meist in den Kellern), der mit einem Vorraum als Gasschleuse ausgerüstet sein sollte, falls chemische Kampfstoffe vom Gegner eingesetzt würden. Der Schutzraum musste ausreichend sein für alle Mitglieder einer (oder mehrerer) Luftschutzgemeinschaft(en) und über entsprechende sanitäre Anlagen verfügen, seine Lage war an den Häuserwänden deutlich und genau zu bezeichnen.

    Der alliierte Luftkrieg zeigte nach 1942 den begrenzten Wert selbst bester Luftschutzvorsorge im modernen Krieg, zahlreiche Luftschutzhelfer wurden Opfer ihres Dienstes, die Schutzräume nicht selten zu Fallen in den Feuerstürmen, die die deutschen Großstädte verheerten. Besseren Schutz boten die zu spät und nicht in ausreichender Zahl errichteten öffentliche Luftschutzbunker mit oft mächtigen Flakstellungen auf den Dächern. Sie waren zuweilen so stabil, dass sie bis heute nicht ohne Gefahr für die Umgebung beseitigt werden konnten.