Luftschlacht um England

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Kampf der deutschen Luftwaffe gegen die Royal Air Force (RAF) um die Luftherrschaft über dem Ärmelkanal und Südengland 1940/41. Nach der Weigerung Londons, den "sinnlos gewordenen Kampf" (Hitler) nach dem Zusammenbruch Frankreichs aufzugeben, gab Hitler mit Weisung Nr. 16 vom 16.7.40 das Unternehmen "Seelöwe" für eine Invasion Englands in Auftrag, das nur unter einem sicheren Luftschirm durchführbar war. Daher hieß es in der Weisung Nr. 17 vom 1.8.40: "Die deutsche Fliegertruppe hat mit allen zur Verfügung stehenden Kräften die englische Luftwaffe möglichst bald niederzukämpfen." Am 13.8.40 (Deckname "Adlertag") begann der Angriff; die deutsche Luftwaffe verfügte dafür über die Luftflotten 2 (Kesselring) in Belgien, 3 (Sperrle) in Nordfrankreich und 5 (Stumpff) in Norwegen mit 875 Bombern, 316 Sturzbombern, 45 Fernaufklärern, 702 Jägern und 227 Zerstörern, insgesamt also über 2355 Maschinen, die am ersten Tag bei 34 Verlusten rund 1500 Einsätze flogen. Bis 31.8.40 summierten sie sich auf 4779 Einsätze, bei denen 4638 t Bomben auf militärische Ziele abgeworfen wurden, 215 Bomber und 252 Jäger gingen verloren. Es gelang nicht, die Jagdabwehr der RAF niederzukämpfen, die mit der Radar-Frühwarnkette an der Südküste über ein auf deutscher Seite lange nicht richtig eingeschätztes Abwehrmittel verfügte und zudem "Heimvorteil" hatte: Ausgestiegene Besatzungen konnten mit neuen Maschinen mehrmals aufsteigen, während mit den deutschen Flugzeugen zumeist auch die Flieger verloren waren. Als anfällig erwiesen sich v.a. die ruhmbedeckten Stukas, die für den Fernkampf nicht geeignet und gegenüber den britischen Jägern zu schwerfällig waren. Auch die Reichweite der deutschen Jäger machte Probleme, die Zerstörer vom Typ Me 110 bewährten sich nur bedingt. Nachdem am 24.8. erstmals versehentlich Bomben auf Londoner Stadtgebiet gefallen waren und die Verluste der Luftwaffe unerträglich wurden, kam es Anfang September 40 zum Zielwechsel: In 65 Nachtangriffen bombardierten jeweils Hunderte deutscher Maschinen die britische Hauptstadt; Tageseinflüge, die allein genügende Treffergenauigkeit garantierten, mussten wegen der steigenden Verluste immer weiter eingeschränkt werden. So erholte sich das Fighter Command, während die erhoffte Zermürbung der Zivilbevölkerung ausblieb und die angestrebte Schädigung der Industrie nicht erreicht wurde. Selbst so verheerende Angriffe wie der auf Coventry am 14./15.11.40 stählten eher den Widerstandswillen der Briten, wie später die britischen Flächenbombardements die Deutschen nur erbitterten, aber nicht beugten.

    Die Krise auf dem Balkan und der Aufmarsch der Wehrmacht gegen die UdSSR zwangen nach und nach zur Reduzierung der Angriffe und schließlich zum Abbruch der Luftschlacht um England, die 41 294 Zivilisten das Leben gekostet hatte und bei der 52 128 schwer verletzt worden waren (bis 31.5.41). Die Voraussetzungen aber für die Landung "Seelöwe" hatte sie nicht schaffen können. Im Gegenteil: Die Luftschlacht um England hatte die britische Kriegsproduktion erst richtig angekurbelt, amerikanische Hilfe stimuliert und der Luftwaffe mit dem Verlust von 1142 Bombern, 802 Jägern, 330 Zerstörern, 128 Sturzbombern und den meisten ihrer Besatzungen einen Aderlass beschert, der sich in den folgenden Jahren bitter bemerkbar machen sollte. Es kam auch in den späteren Kriegsjahren zu weiteren Luftangriffen gegen London und andere Ziele in England (Baedeker-Angriffe, "Steinbock", V 1, V 2 u.a.), die eigentliche Luftschlacht um England aber war verloren, die Insel gerettet.