Lancaster

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Victory Lancaster Mk. V - England 1944

    britischer schwerer Bomber der Firma Avro. Wegen des Fehlschlags der zweimotorigen Manchester schlug Chefkonstrukteur Roy Chadwick dem Luftfahrtministerium als Ersatzlösung u.a. eine auf 4 Rolls-Royce Merlin 20 umgerüstete Version vor. Der Prototyp mit einem neuen Mittelstück in den Tragflächen für den jeweils zweiten, leicht nach hinten versetzten Motor erwies sich schon beim Probeflug (9.1.41) als vielversprechender Entwurf. Er wurde noch im selben Jahr unter dem Namen Lancaster in Serienproduktion genommen, bis 1946 insgesamt 7796 Exemplare. Das Einsatzmodell Mk I kam im Dezember 41 zur Truppe, erster Frontflug 3.3.42 zum Minenlegen in der Deutschen Bucht. Am 17.4. folgte das offizielle Einsatzdebüt mit einem Langstreckenraid bei Tage gegen die MAN-Werke in Augsburg, wobei 7 von 12 eingesetzten Lancaster verloren gingen. Die Maschine spielte bei insgesamt 156 000 Lancaster-Einsätzen ihre wichtigste Rolle als Hauptträger der nächtlichen Flächenbombardements auf deutsche Städte.

    Jede Lancaster transportierte durchschnittlich 4 t Bomben, doch wurde der Bomber mit der Zeit für immer größere Kampflasten ausgebaut, u.a. für die 3629-kg-Riesenbombe "Block Buster" (Wohnblockknacker) oder den torpedoartig geschnittenen Tallboy von fast 6 t. Eine Sonderversion schleppte das 10-t-Ungeheuer Grand Slam halb versenkt unter dem Rumpf. Die besten Lancaster-Besatzungen zog das RAF-Bomberkommando Anfang 43 in der geheimen Sonderstaffel 617 zusammen, die unter Oberstleutnant Gibson die Eder- und Möhnestaudämme zerstörte (Spitzname "Dam Busters"), am 14.11.44 das Schlachtschiff Tirpitz versenkte und sich am 25.4.45 Hitlers Berghof auf dem Obersalzberg vornahm. Die Lancaster war für ihre 28 t Rüstgewicht ausgesprochen leicht zu fliegen und verdaute erstaunliche Beschussschäden: Mitte 43 kam ein Lancaster-Verlust auf 132 t abgeworfener Bomben (Halifax 1:56, Stirling 1:41), doch erwies sich das Fehlen eines Abwehrstands an der Rumpfunterseite wiederholt als tödliche Schwäche des schweren Bombers ("Schräge Musik"). Obwohl die Lancaster bis 1956 bei der RAF diente (u.a. Berliner Luftbrücke), kam es im Krieg nicht mehr zu Einsätzen gegen Japan.

    Daten der Nachtbomber-Reihe Mk III: maximal 435 km/h mit 4 V-Motoren Packard/Rolls-Royce Merlin 28 oder 32 von je 1390 PS, Bombenzuladung bis 6340 kg, 3600 km Reichweite, 8x7,7-mm-MG in 3 Drehtürmen, 7 Mann Besatzung.