Kreta

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Massengrab gefallener deutscher Soldaten auf Kreta
    Maschinengewehr-Posten an der Küste von Kreta

    griechische Mittelmeerinsel am Südrand der Ägäis mit 8261 km² und rund 430 000 Einwohnern (1939). Nach Kreta setzten sich gegen Ende des Balkanfeldzugs der griechische König mit seiner Regierung sowie Teile des britischen Expeditionskorps ab. Churchill ordnete die Verteidigung der Insel an und betraute damit den neuseeländischen General Freyberg, dem 32 382 britische und 10 258 schlecht ausgerüstete griechische Soldaten zur Verfügung standen, während die deutsche Aufklärung nur maximal 15 000 Briten gemeldet hatte. Zwar ohne Luftschirm, aber gedeckt durch große Teile der seebeherrschenden britischen Mittelmeerflotte, erwarteten die Verteidiger in gut getarnten Stellungen den deutschen Angriff im Rahmen des Unternehmens "Merkur", der nach vorbereitenden heftigen Luftangriffen am Morgen des 20.5.41 einsetzte.

    Über Kreta sprangen in 3 Gruppen, West (Generalmajor Meindl) bei Malemes am Morgen, Mitte (Generalleutnant Süssmann) bei Rethymnon und Ost (Generalleutnant Ringel) bei Iraklion am Nachmittag, 15 000 Mann der 7. Fallschirmdivision des XI. Fliegerkorps (General Student) ab. Sie gerieten z.T. in mörderisches Abwehrfeuer und konnten zunächst nirgends die gesteckten Ziele, v.a. Flugfelder für Nachschub und Verstärkungen, erreichen. Auch die Vereinigung der Landeköpfe gelang nicht, zumal die Hilfe über See ausfiel. Eine erste deutsche Motorseglerstaffel wurde in der Nacht 21./22.5. von der britischen Force D gestellt und zersprengt, von 2331 Mann kamen 297 ums Leben. Weiteren Staffeln erging es erst besser, als die Luftwaffe in rollendem Einsatz die britischen Kriegsschiffe vertrieb. Diese Luftüberlegenheit sollte schließlich über die Seeherrschaft triumphieren. Die Royal Navy verlor 3 Kreuzer, 6 Zerstörer und durch Beschädigungen für lange Zeit Schlachtschiffe, 1 Träger, 6 Kreuzer und 5 Zerstörer; 2011 Seesoldaten fielen. Trotz dieser Opfer war der deutsche Nachschub letztlich nicht entscheidend zu stören, sodass sich die Lage der Fallschirm- und Gebirgsjäger auf Kreta stabilisierte. Malemes mit Flugplatz war schon am zweiten Tag genommen worden, am 27.5. fiel die Hauptstadt Chania, tags darauf der Hafen in der Sudabucht. Rethymnon ergab sich am 29.5., als der Abtransport britischer Soldaten schon in vollem Gange war: 17 000 Mann konnten noch in Sicherheit gebracht werden, ehe am 31.5. der Widerstand erlosch. Die Verluste auf beiden Seiten waren erheblich: Die Briten verloren, abgesehen von den Opfern der Marine, 15 743 Mann an Gefallenen und Gefangenen, auf deutscher Seite gab es 3725 Tote und Vermisste, 2643 Mann wurden verwundet.

    Hauptgrund dafür waren auf deutscher Seite Führungsfehler: schlecht gewählte Angriffspunkte, unzureichende Aufklärung, Mängel in der Bodenorganisation, zu knappe Vorbereitung usw. Hitler misstraute fortan Luftlandungen überhaupt und blies nicht zuletzt deshalb das viel entscheidendere Unternehmen "Herkules" gegen Malta ab. Das britische Fiasko später bei Arnheim gab ihm scheinbar recht. Die deutschen Fallschirmjäger wurden nach Kreta nicht mehr für Luftlandungen verwendet; sie dienten künftig als "infanteristische Feuerwehr". Ihr Sieg auf Kreta blieb fast gänzlich ungenutzt, die strategische Wirkung auf den Afrikafeldzug war kaum zu spüren, Offensiven gegen die britische Position im Nahen Osten gingen von Kreta nicht aus, obwohl die Insel bis zur deutschen Kapitulation am 8.5.45 gehalten wurde.

    Kreta war Schauplatz zahlreicher Kriegsverbrechen. Beim deutschen Angriff wurden Fallschirmjäger misshandelt, verstümmelt, ermordet. Am 27.5. in der Sudabucht zurückgelassene verwundete Angehörige des Gebirgsjägerregiments 141 wurden ausnahmslos getötet. Griechische Zivilisten benutzten beim Widerstand z.T. Dum-Dum- und Jagdgeschosse, plünderten Gefallene und Verwundete aus, misshandelten Gefangene; englische Soldaten waren an solchen Übergriffen kaum beteiligt, sondern versuchten eher mäßigend zu wirken. Anders ihre Kameraden von der Navy, die u.a. am 19.5. schiffbrüchige deutsche Soldaten der leichten Schiffsstaffel "West" vor Kreta mit Maschinenwaffen beschossen und direkt oder durch Versenkung ihrer Rettungsboote töteten. Geahndet wurden diese Völkerrechtsbrüche nach dem Krieg meist genauso wenig wie die Übergriffe und Kriegsverbrechen der deutschen Besatzer auf Kreta, die nicht nur zur eigenen Versorgung das Land ausplünderten, sondern im Rahmen von "Sühnemaßnahmen" mindestens 3000 Kreter exekutierten und 8800 Häuser zerstörten. U.a. durchkämmten zur Vergeltung der Morde an Fallschirmjägern am 2.6.41 deutsche Soldaten das Dorf Alikianos, trieben 42 Männer auf den Friedhof, ließen sie eigenhändig Gräber ausheben und erschossen sie vor den zum Zuschauen gezwungenen Frauen. Noch schwerer traf es am 14.9.43 die Gemeinde Ano Viannos, wo als Repressalie sämtliche männliche Einwohner, über 440 Personen, erschossen und 3 Dörfer dem Erdboden gleichgemacht wurden. Neben zahlreichen Fällen wie diesen stand die Deportation der über 260 Juden von Chania, die am 20./21.5.44 zusammengetrieben und mit 150 italienischen Gefangenen und einigen Kretern auf dem Frachter Danae eingeschifft wurden. Er kam am Festland niemals an.