Junkers AG

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Junkers Ju 88 G-6C - Nachtjagdgeschwader 2 - Deutschland 1944

    deutsche Flugzeug- und Motorenwerke mit Stammsitz in Dessau (Anhalt), 1919 von Professor Hugo Junkers gegründet, der nach der nationalsozialistischen Machtergreifung die Aktienmehrheit an das Reich übertragen und die Leitung seines für die Luftrüstung wichtigen Konzerns abgeben musste. In Großserien produzierte die Junkers AG zwei Standardmuster der Luftwaffe: den als Stuka bekannt gewordenen Sturzkampfbomber Ju 87 und das zweimotorige Kampfflugzeug Ju 88. Beide blieben praktisch bis zum letzten Kriegstag im Fronteinsatz, die Ju 87 zuletzt als Schlachtflugzeug, die Ju 88 als Nachtjäger und als unbemannter Sprengstoffträger im Mistel-Gespann mit der Fw 190. Zum Junkers-Programm gehörte eine Reihe international erfolgreicher Verkehrsflugzeuge, von denen die dreimotorige Ju 52 ("Tante Ju", Erstflug 1930) später Standardtransporter der Luftwaffe wurde. Das schwere Kampfflugzeug Ju 86 (Erstflug 1936) war bei Kriegsausbruch bereits veraltet. Als Sondervariante des Bombers entwickelte Junkers einen Höhenaufklärer mit Druckkabine, 2x950 PS-Spezialtriebwerken Jumo 207 LD und auf 26 in verbreiterter Spannweite. Unerreichbar für die gegnerische Luftabwehr operierte die Ju 86 P 1940-42 in 12 000 m Höhe über England, Russland und Ägypten. Aus dem viermotorigen Passagier- und Transportflugzeug Ju 90 (Erstflug 1937) entstand als militärische Weiterentwicklung das schwere Langstreckenmuster Ju 290 mit einer maximalen Reichweite von 5950 km, das um die Jahreswende 1942/43 verlustreiche Transporteinsätze nach Stalingrad flog. 11 Ju 290 Patrouillenbomber flogen 1943/44 beim Fliegerführer Atlantik weiträumige Seeaufklärung, später kamen einige dieser Maschinen für Sonderaufgaben zum Geheimgeschwader KG 200.

    Im Juli 39 hatte das RLM als wichtigstes Entwicklungsprogramm der deutschen Luftfahrtindustrie den "Bomber B" ausgeschrieben. Junkers erhielt den Zuschlag und sollte die Maschine bis 1942 frontreif machen, doch laborierte die hochgezüchtete Ju 288 ein Jahr später immer noch an technischen Kinderkrankheiten und wurde schließlich verschrottet. Von insgesamt 22 Versuchsmustern waren bis dahin mindestens 17 abgestürzt.

    Eines der interessantesten aerodynamischen Projekte bei Kriegsende war der sechsstrahlige Düsenbomber Ju 287 mit einem negativ gepfeilten Flügel. Das erste Versuchsmuster flog am 16.8.44. Mehrere Prototypen wurden nach Kriegsende unter sowjetischer Aufsicht in Dessau fertig gestellt und dann für ein intensives Testprogramm nach Russland gebracht. Dort entwickelte das Junkers-Team unter Professor Brunolf Baade aus dem ehemaligen Düsenbomber ein ziviles Verkehrsflugzeug für 60 Passagiere. Die vierstrahlige "152" ging 1956 beim VEB Flugzeugbau Dresden in Produktion. 16 Serienmuster für die damalige DDR-Lufthansa und andere Ostblocklinien waren bereits im Bau, als das ehrgeizige Projekt auf sowjetischen Druck 1961 aufgegeben wurde. Damit ging die Junkers-Tradition in Mitteldeutschland endgültig zu Ende.