Ju 88

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Junkers Ju 88 G-6C - Nachtjagdgeschwader 2 - Deutschland 1944
    Ein deutsches Bombenflugzeug vom Typ Ju 88 auf einem libyschen Feldflughafen wird mit 500-kg-Bomben beladen.

    zweimotoriges Kampfflugzeug der Firma Junkers, Erstflug 21.12.36. Die Ju 88 war nicht nur der modernste Standardbomber der Luftwaffe, sondern auch ihr vielseitigstes Baumuster, sie wurde in 60 Varianten und 40 verschiedenen Waffenversionen gebaut, u.a. als Pfadfinder, Ballonzerstörer, Torpedoflugzeug, Fernaufklärer, Panzerjäger, Erdkampfflugzeug, Trainer und Kurierflugzeug. Eine Reihe als Zerstörer gewann seit 1943 zunehmende Bedeutung als Nachtjäger, darüber hinaus fand die Ju 88 als unbemannte fliegende Bombe im Mistel-Gespann Verwendung. Bei der Regia Aeronautica und bei den Luftstreitkräften der Satellitenstaaten war dieser Typ ebenfalls im Einsatz, nach Frontwechsel zuweilen auch gegen die Wehrmacht. Eine Ju 88 war das erste deutsche Flugzeug, das am 19.10.39 über Großbritannien abgeschossen wurde, und eine Ju 88 wurde als letzte deutsche Maschine am 4.3.45 über Yorkshire vom Himmel geholt. Insgesamt produzierte Junkers 980 Exemplare, deren Masse mit dem Reihenmotor Jumo-211/213 ausgerüstet war; spätere Varianten erhielten den luftgekühlten BMW-801-Sternmotor mit demselben Ringkühler und der gleichen Triebwerksgondel. Als mittlerer Horizontal- und Sturzbomber mit 4 Mann Besatzung kam die Ju 88 Anfang 39 in die Truppenerprobung, maßgebliche Großserie wurde seit Mitte 40 die Baureihe A-4: 2x1400 PS, 12 t Abfluggewicht, 1x13-mm- und mindestens 5x7,9-mm-MG als Abwehrbewaffnung, bis 3000 kg Bombenzuladung, maximal 472 km/h in 5300 m Höhe, 2730 km Reichweite. Als 1943 ein Nachfolger für die alternde A-Serie fällig wurde, griff Junkers auf das Schnellbomberkonzept zurück: Die 3-sitzige Baureihe S erhielt einen abgerundeten Plexiglasbug und andere aerodynamische Verfeinerungen. Unter Verzicht auf die übliche Panzerung und Abwehrbewaffnung waren die Überlebenschancen ganz auf die eigene Geschwindigkeit von maximal 610 km/h abgestellt. Mit Reihenbildkamera und Zusatztanks wurde die D-Serie als strategischer Fernaufklärer gebaut, eine Langstreckenversion H mit maximal 5150 km Reichweite operierte 1943/44 beim Fliegerführer Atlantik und war z.T. mit dem Hohentwiel-Schiffssuchradar ausgerüstet. Speziell zur Panzerjagd an der Ostfront entstand die Baureihe P mit 7,5-cm-Pak 40, 2x3,7-cm-Flak oder 50-mm-Bordkanone in einer Kanonenwanne unter dem Rumpfbug. Annähernd 4000 Ju 88 entfielen auf die Baureihen C und G, die neben der Me 110 G zur Standardausrüstung der Nachtjagdgeschwader gehörten. Wichtigste Variante war die C-6a mit Lichtenstein-Radar, 3x20-mm-Kanonen und 3x7,9-mm-MG als starre Bewaffnung nach vorn, 1x13-mm-MG als bewegliche Abwehrbewaffnung nach hinten, 2x20-mm-MG als "Schräge Musik" auf der Rumpfoberseite, maximal 480 km/h, 2000 km Reichweite. Die Baureihe R mit 2x1700 PS BMW 801 D und maximal 523 km/h leitete zur Version G über, die Mitte 44 mit dem vergrößerten Seitenleitwerk der Ju 188 an die Front kam. In einer optimalen Kombination von Flugleistungen und Feuerkraft trug sie 4x20-mm-MG mit je 200 Schuss in einem flachen Waffenpack unter dem Rumpf, außerdem Vorrichtung für 2x20-mm-MG als Schrägwaffen. Die letzten Ju 88 G waren mit Funkmessgeräten ausgerüstet, die im Zentimeterwellenbereich ohne störendes Antennengeweih arbeiteten. Die letzte Baureihe G-7 erreichte mit Methanoleinspritzung 585 km/h, ohne Flammendämpfer und Zusatztanks sogar 643 km/h.