Iran

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Kaiserreich in Vorderasien, bis 1935 offiziell Persien, mit 1,65 Millionen km² und 16,4 Millionen Einwohnern (1940), Hauptstadt Teheran. Der Iran war lange Streitobjekt der Großmächte und wurde 1907 zwischen Russland und Großbritannien in Interessensphären eingeteilt. Seine strategische Bedeutung wuchs nach 1918 durch den Ausbau der Ölfelder, die sich fast ausschließlich in der Hand der Anglo-Iran Oil Company befanden, und der Transiranischen Eisenbahn, die über 1394 km den Golfhafen Bandar Schapur mit dem Kaspischen Meer verbindet. Iran erklärte bei Kriegsbeginn seine Neutralität, sah sich aber bald massivem britischen Druck zum Abbruch der Beziehungen zu den Achsenmächten ausgesetzt. Wenige Wochen nach dem Überfall Deutschlands auf die UdSSR besetzten britische und sowjetische Truppen am 25.8.41 das Land, dessen Streitkräfte den Widerstand nach drei Tagen einstellten. Die Briten drangen vom Persischen Golf und in zwei Marschsäulen aus dem Irak Richtung Teheran vor, die Rote Armee okkupierte den Norden des Landes mit Täbris und dem Küstengebiet des Kaspischen Meeres. Die iranische Regierung erklärte sich bereit, die diplomatischen Vertretungen Berlins und Roms zu schließen. Schah Reza Pahlewi dankte am 17.9.41 zugunsten seines 22-jährigen Sohnes Mohammed Reza Pahlewi ab, der den Alliierten als fügsamer Partner genehm war. In einem britisch-sowjetischen Bündnisvertrag vom 22.1.42 wurde die Souveränität und territoriale Integrität des Iran ausdrücklich garantiert, alle Besatzungstruppen sollten spätesten 6 Monate nach Kriegsende abgezogen werden.

    Da die deutsche Sommeroffensive "Blau" ihre Ziele nicht erreichte und die iranische Position der Alliierten nicht gefährdete, konnte das Land als "Brücke zum Sieg" ausgebaut werden, über die bis 1944 insgesamt 4,7 Millionen t Kriegsmaterial an die UdSSR geliefert wurden. Die USA verstärkten ihre Präsenz im Golf auf schließlich 30 000 Mann. Die nationalistische Opposition wurde durch Ausweisungen und Internierungen mundtot gemacht. Sichtbares Zeichen für die Bedeutung des Iran wurde die Konferenz von Teheran (28.11.-1.12.43), auf der die Großen Drei nochmals die Unabhängigkeit des Kaiserreichs betonten. Nach der Kapitulation Japans (2.9.45) wurde die Räumung des Iran auf den 2.3.46 festgelegt. Während die Westalliierten sogar vorzeitig abrückten, zögerte Moskau mit der Aufgabe seiner besetzten Gebiete und forderte Ölkonzessionen. Unter dem Druck der Weltöffentlichkeit zog die Rote Armee dann aber doch am 9.5.46 ab.