Irak

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Königreich in Vorderasien mit 440 000 km² und knapp 4 Millionen Einwohnern (1939), Hauptstadt Bagdad, Haupthafen Basra. Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Irak britisches Völkerbundsmandat, das 1930 durch einen Beistandspakt abgelöst wurde; eine britische Militärmission blieb in Bagdad, 90 km westlich im Euphrattal befand sich die RAF-Basis Habbaniya. Die irakische Position war u.a. wegen der Ölfelder von Mossul und Kirkuk (Pipeline nach Haifa) eine britische Schlüsselstellung im Mittleren Osten. Bei Kriegsbeginn setzte Premierminister Nuri es Said den Beistandspakt in Kraft und brach die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reich ab; Botschafter Fritz Grobba wurde ausgewiesen. Gegen die britische "Bevormundung" regte sich nationalistische Opposition um die "Vaterländische Bruderschaft". Deren Führer Rischid Ali el-Gailani riss am 3.4.41 die Macht an sich; der minderjährige König Faisal II. und der Premier flohen.

    Die neue Regierung nahm die Beziehungen zu Berlin wieder auf und warnte England vor einer Intervention. Dennoch landeten Ende April 41 britische Truppen in Basra. Die noch im Aufbau befindliche irakische Armee von insgesamt 37 000 Mann setzte sich zur Wehr und umzingelte den britischen Luftstützpunkt Habbaniya. Die Regierung rief zum Heiligen Krieg auf, der am 10.5. zurückgekehrte deutsche Botschafter versprach Hilfe. Sie beschränkte sich in der Praxis auf die Entsendung von militärischen Hilfsgütern und Kampfflugzeugen. Von Rhodos starteten je eine Staffel Me 110 und He 111 mit hastig übermalten Nationalitätskennzeichen, doch dieser "Sonderverband Junck" musste sich mit so vielen technischen Problemen herumschlagen, dass seine wenigen Kampfeinsätze den Zusammenbruch des übereilt angezettelten Aufstands nicht abwenden konnten. Noch am 23.5. hatte Hitler eine Weisung zur Unterstützung des Irak erlassen und die arabische Befreiungsbewegung als den besten Verbündeten im Vorderen Orient gepriesen. Doch inzwischen waren britische Verstärkungen aus Palästina eingetroffen, die am 1.6. nach kurzem Kampf Bagdad besetzten. Die Regierung Raschid Ali floh nach Italien, der Großmufti von Jerusalem al Husseini, der im Irak Asyl erhalten und die antibritische Stimmung angeheizt hatte, setzte sich nach Berlin ab. Der König kehrte zurück, der britisch-irakische Pakt wurde erneuert; am 20.1.43 folgte die offizielle Kriegserklärung an Deutschland, ohne dass sich irakische Truppen noch aktiv an den Kampfhandlungen beteiligten.