Indochina

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    französische Besitzung in Südostasien mit 725 000 km² und 24 Millionen Einwohnern (1939), Sitz des Generalgouverneurs in Saigon. Indochina war bei Kriegsbeginn in 5 Kolonien aufgeteilt: Tongking, Annam, Kotschinchina (das spätere Vietnam), Laos und Kambodscha. Seit 1918 wurde der Ruf nach Unabhängigkeit immer lauter, wobei die straff geführte kommunistische Partei unter Ho Chi Minh sich zum Hauptgegner der Kolonialmacht entwickelte. Sie wurde 1939 von Generalgouverneur Catroux verboten und setzte ihren Kampf im Untergrund fort. Nach der französischen Niederlage 1940 sah sich die Regierung Pétain zur Verständigung mit Japan gezwungen, das Luftstützpunkte und das Recht zum Durchmarsch erhielt und im Dezember 41 von Indochina aus zur Eroberung von ganz Südostasien ansetzte. Von einer regelrechten Besetzung konnte zunächst jedoch nicht die Rede sein, da sich die japanischen Truppen, rund 35 000 Mann, an wenigen Orten konzentrierten, während Vichy-Hochkommissar Decoux (seit 20.7.40) mit autoritärer Kolonialverwaltung die Fassade der französischen Oberhoheit wahrte.

    Nach der US-Landung auf den Philippinen (Oktober 44) verstärkten die Japaner ihre Streitkräfte in Indochina auf 60 000 Mann. Die inzwischen in Frankreich amtierende provisorische Regierung de Gaulle bestätigte zur Vermeidung von Provokationen ausdrücklich Decoux in seinem Amt, bereitete aber heimlich die Befreiung der Kolonie vor. Das wurde in Tokio bekannt, und am 9.3.45 umstellten japanische Einheiten die Unterkünfte der französischen Kolonialtruppen, entwaffneten sie oder machten sie bei Widerstand nieder, die weißen Kolonialbeamten und Kaufleute wurden interniert. Das war die Stunde der nationalistischen Gruppen, die das Ende der französischen Herrschaft proklamierten. Während sich in Hué eine nationale Regierung bildete, kontrollierten die kommunistische Vietminh die Bergregionen im Norden, unterstützt vom amerikanischen Geheimdienst (19.8.45 Besetzung Hanois, 2.9.45 Proklamation der Demokratischen Republik Vietnam). Die gaullistische Regierung in Paris unterschätzte die Entwicklung, pochte auf das Potsdamer Abkommen (2.8.45), das die französische Souveränität über Indochina bestätigt hatte, und versuchte ihre Rechte gewaltsam durchzusetzen, was nach 10-jährigem Kolonialkrieg im Mai 54 mit der Niederlage in Dien Bien Phu endgültig scheiterte.