I. G. Farbenindustrie AG

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    (Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG), 1925 gegründeter Konzern der bedeutendsten deutschen Chemieunternehmen (BASF, Bayer, Hoechst, Agfa u.a.). Die IG Farben als größte Unternehmensgruppe Europas und größter Chemiekonzern der Welt trat während des 3. Reiches in enge Verflechtung mit dem nationalsozialistischen Machtapparat, unterstützte die wirtschaftlichen Autarkiebestrebungen und spielte eine führende Rolle bei der Durchführung des Vierjahresplans von 1936 sowie bei der Aufstellung der Pläne (um 1941) zur europäischen Neuordnung unter deutscher Herrschaft für die Zeit nach dem Krieg. Für die Kriegführung war die IG Farben als wichtigster Produzent von Stickstoff, synthetischem Kautschuk (Buna) und Treibstoff unentbehrlich; umgekehrt profitierte die IG Farben vom Krieg, indem sie sich große Teile der chemischen Industrie der besetzten Länder aneignete oder unter ihre Kontrolle brachte. Auch beutete sie in großem Maßstab Zwangsarbeiter aus, die Mitte 43 rund 40% der Gesamtbelegschaft stellten. In der IG Auschwitz kamen beim Bau eines riesigen Hydrierwerks mehr als 25 000 Arbeitskräfte aus dem KZ und Vernichtungslager ums Leben. Eine von der IG Farben kontrollierte Firma, die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung (Degesch), produzierte das Zyklon B, das bei den Massentötungen in den Gaskammern eingesetzt wurde. Nach dem Krieg ordneten die Westalliierten die Entflechtung der IG Farben im Wesentlichen in die bis 1925 existierenden Einzelfirmen in; 13 leitende Angestellte der IG Farben wurden 1948 zu Freiheitsstrafen verurteilt, jedoch nach kurzer Haftzeit begnadigt.