Hochdruckpumpe

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    (HDP), Deckname einer deutschen Spezialwaffe für Fernbeschuss, zurückgehend auf eine französische Planung von 1918, die 1940 erbeutet wurde. Die Hochdruckpumpe war ein Mehrkammergeschütz, das seine Geschosse in einem Rohrsystem durch seitlich angebrachte Treibladungen mehrfach beschleunigte. Seit Anfang 42 in der Entwicklung, wurde ein Modell im September 43 Hitler vorgeführt, der den Propagandanamen Fleißiges Lieschen dafür genehmigte und den Bau von 50 Hochdruckpumpen zum Beschuss von London anordnete. Dazu wurde umgehend an der Kanalküste der Bau von zwei unterirdischen Stellungen für je 25 Hochdruckpumpen begonnen, für die 5000 Mann der Organisation Todt abgestellt wurden. In 30 m Tiefe sollten eine Feldbahn und eine zweispurige Straße die Kampfstände und Barackenunterkünfte der 1100 Mann Bedienung verbinden. Wassereinbrüche und Lüftungsprobleme verhinderten jedoch eine Fertigstellung, sodass die nutzlosen Stellungen im September 44 kanadischen Truppen in die Hände fielen.

    Schwierigkeiten gab es auch bei der Konstruktion der Hochdruckpumpe und v.a. ihrer Granaten: Geplant waren bis 124 m lange Rohre aus 32 Teilstücken, zwischen denen die Treibsätze montiert werden sollten, Gesamtgewicht 76 t. Verschießen wollte man bei einem Kaliber von 15 cm 3,165 m lange Granaten von 140 kg Gewicht bei 25 kg Sprengladung. Zur Stabilisierung war ein ausfaltbares Heckleitwerk vorgesehen, das jedoch nie richtig funktionierte. Die Mündungsgeschwindigkeit sollte auf 1500 m/s gebracht werden, damit eine Schussweite von 160 km bis in die britische Hauptstadt möglich wurde. Die Feuergeschwindigkeit sollte bis zu 12 Schuss pro Stunde betragen. Erprobungen seit Januar 44 ergaben jedoch, dass die Hochdruckpumpe zwar wie gewünscht arbeitete, die Geschosse jedoch trudelten. Als schließlich neue Granatenentwürfe vorlagen, machte die Lage eine radikale Reduzierung der Planungen erforderlich, sodass nur eine verkleinerte Version des bei der Truppe "Tausendfüßler" genannten Geräts zum Einsatz kam. Am 30.12.44 fiel der erste Schuss, abgefeuert von der Artillerieabteilung 705 gegen Luxemburg aus einer nur 28 t schweren Hochdruckpumpe, Schussweite 42,5 km. Ein zweites Geschütz feuerte seit 3.1.45. Beide verschossen bis zum Ende des Einsatzes am 22.2.45 insgesamt 157 Granaten mit minimaler Wirkung.