Hiroshima

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    "Atompilz" von Hiroshima

    japanische Hafenstadt mit knapp 400 000 Einwohnern (1941). Hiroshima, bis 1945 verschont von amerikanischen Bombenangriffen, kam gerade deswegen auf die Liste möglicher Ziele für den Abwurf der am 16.7.45 erstmals erfolgreich getesteten Atombombe, da ein bis dahin unzerstörtes Stadtgebiet nach der Explosion genaue Aufschlüsse über die Wirkung versprach und zudem zur Demonstration der amerikanischen Entschlossenheit besonders geeignet schien. Am 26.7.45 forderte die US-Regierung Tokio ultimativ zur Kapitulation auf, andernfalls Japan die "völlige Vernichtung" erwarte. Da keinerlei Konzessionen an den japanischen Wunsch nach Respektierung des Tenno Hirohito gemacht wurden, beschloss die Regierung Suzuki, die Note nicht zu beachten. Diese Formulierung ("mokusatsu") wurde in den USA als "mit Verachtung strafen" übersetzt und als Provokation empfunden. Ein besonderes Bomberkommando, die so genannte 509. Gruppe unter Oberst Paul Tibbets, begann auf Tinian mit dem Training für den Abwurf der Atombombe, der am 5.8.45 für den kommenden Morgen angeordnet wurde. Tibbets selbst flog die B-29 "Enola Gay", die am Montag dem 6.8. um 8.15 Uhr und 17 Sekunden den Uransprengsatz "Little Boy" über Hiroshima ausklinkte. Die Stadt, in der zahlreiche Menschen gerade zu ihren Arbeitsstätten eilten, wurde vollkommen überrascht: Zwar war beim Auftauchen der vorausfliegenden Aufklärermaschinen um 7.31 Uhr Luftalarm ausgelöst worden, doch gab es wegen der geringen Flugzeugzahl schon nach wenigen Minuten wieder Entwarnung. Die am Fallschirm herabschwebende Bombe hielt man für einen Notabwurf.

    Der Tod von Hiroshima kam in drei Wellen: Nach einem Lichtblitz von blindmachender Helligkeit folgte eine Hitzewelle, die in der Nähe des Explosionsherdes Menschen förmlich verdampfen ließ und noch in über 3 km Entfernung schwere Verbrennungen verursachte. Die aufflammenden Brände wurden von der anschließenden Druckwelle noch angefacht, die Häuser und Autos wegblies, Menschen zu Boden oder gegen Mauern wirbelte und noch in 12 km Entfernung alle Scheiben eindrückte. Besonders mörderisch war die dritte, die radioaktive Welle, deren tödliche Wirkung sich in größerem Abstand mit Verzögerung entfaltete. Sie zerstörte das Immunsystem der Opfer, verbrannte die Haut und erzeugte schwere Stoffwechselkrankheiten. Der Schock zeichnete die Überlebenden nachhaltig; man sprach von einer so genannten Hiroshima-Maske, einer Art gefrorenem, fratzenhaftem Grinsen. Insgesamt kamen bei der Explosion und in den folgenden Wochen nach einer amtlichen Aufstellung vom Frühjahr 46 mindestens 92 000 Menschen um (andere Angaben sprachen von bis zu 200 000 Opfern), Hiroshima wurde zu über 80% zerstört.

    Der Untergang der Stadt stärkte wie erwartet die Position der kapitulationswilligen Mitglieder der japanischen Regierung um den Kaiser. Doch nahm Tokio zunächst Sondierungen in Moskau auf, das hinhaltend reagierte und statt zu vermitteln Japan am 8.8. den Krieg erklärte. Es kam damit dem Zusammenbruch zuvor, der am nächsten Tag mit dem Abwurf einer weiteren Atombombe auf Nagasaki besiegelt wurde.