Henschelflugzeugwerke GmbH

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Tochtergesellschaft der Kasseler Lokomotivfabrik Henschel & Sohn, 1933 in Berlin-Joachimsthal von Oskar R. Henschel gegründet; seit 1934 Hauptwerk mit Flugplatz in Schönefeld bei Berlin. Henschel entwickelte 1935/36 in Anlehnung an die amerik. Curtiss Hawk II den ersten serienmäßigen deutschen Sturzkampfeinsitzer, die Hs 123. Der Prototyp wurde am 8.5.35 von Udet öffentlich vorgeführt. Im Spanischen Bürgerkrieg wurde der robuste Ganzmetalldoppeldecker mit einem 880-PS-BMW-132-Sternmotor bei der Legion Condor als Schlachtflugzeug getestet. In dieser Rolle waren die letzten Hs 123-Veteranen noch bis Herbst 44 bei den Schlachtgruppen im Osten anzutreffen. Bewaffnung: 2x7,9-mm-MG, 2x20-mm-Kanonen, 4x50-kg-Bomben oder Behälter für Splitterbomben unter den Tragflächen; maximal 340 km/h in 1200 m Höhe.

    Zur Unterstützung von Heeresverbänden als Nahaufklärer diente der zweisitzige Hochdecker Hs 126 (Erstflug August 36). Er war ebenfalls mit BMW-132-Sternmotor ausgerüstet; der Beobachter bediente eine vollautomatische Zeiss-Reihenbildkamera und im Ernstfall ein bewegliches 7,9-mm-MG 15. Die Hs 126 war bei Kriegsbeginn Standardmuster der Aufklärungsstaffeln; 1942 stufenweise durch die Fw 189 Eule als "fliegendes Auge des Heeres" abgelöst.

    Das zweimotorige Erdkampfflugzeug Hs 129 (Erstflug Anfang 39) war auf deutscher Seite das taktische Gegenstück zur sowjetischen Il 2, jedoch wurden von der Standardserie Hs 129B von Anfang 42 bis September 44 nur 841 Stück ausgeliefert. Da die 700-PS-Gnome-Rhône-Sternmotoren außerordentlich empfindlich auf Wüstenstaub reagierten, geriet das Einsatzdebüt der Hs 129 in Nordafrika zum Debakel. Dagegen bewährte sich der gepanzerte Einsitzer im Osten als Panzerjäger, was ihm den Spitznamen "fliegender Büchsenöffner" einbrachte. Bei der Schlacht von Kursk im Juli 43 waren 4 Staffeln im pausenlosen Einsatz. Die Standardbewaffnung bestand aus 2x20-mm-Kanonen und 2x7,9-mm-MG in der Rumpfunterseite sowie Gehänge für zwei 50-kg-Bomben. Speziell zur Panzerbekämpfung trugen andere Einsatzvarianten großkalibrige Rohrwaffen bis hin zu 75-mm-Pak mit Rückstoßbremse.