Heimatarmee

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    (Armia Krajówa), Eigenbezeichnung der Anfang 42 durch Zusammenschluss verschiedener polnischer Widerstandsgruppen entstandenen bewaffneten Untergrundorganisation im deutsch besetzten Polen. Zunächst geführt von General Stefan Rowecki, der 1943 hingerichtet wurde, erreichte die Heimatarmee unter General Bór-Komorowski bis 1944 eine Stärke von rund 360 000 Mann. Sie war damit die mit Abstand größte Kampfvereinigung des polnischen Widerstands, stand sowohl den Sozialisten der PPS wie der Bauernpartei (SL) nahe und erhielt die politischen Direktiven über einen Delegierten der Exilregierung in London, bis 1943 Professor Jan Piekalkiewicz, der ebenfalls von den deutschen Besatzern hingerichtet wurde. Als einzige bedeutende Widerstandsgruppe versagten sich die Kommunisten der Heimatarmee, die von Stalin als Hort der bürgerlichen Reaktion angesehen wurde. Der Kampf der Heimatarmee, zunächst v.a. Fluchthilfe, Ausbildung und Information, später Sabotage, Partisanentätigkeit und direkter Angriff auf deutsche Einrichtungen, band zunehmend deutsche Sicherungskräfte. Obwohl der Kampf zahlreiche Opfer forderte, wuchs die Schlagkraft der Heimatarmee, die auch als erste Nachrichten über die Vernichtungslager der nationalsozialistischen Judenverfolgung 1942 nach London funkte. Trotz des traditionellen polnischen Antisemitismus stellte die Heimatarmee jüdische Organisationen ihr Nachrichtennnetz und - in bescheidenem Rahmen - auch Waffen zur Verfügung. Trotzdem vermochte sie den nationalsozialistischen Völkermord an den Juden nicht wirksam zu behindern, zumal der eigene Kampf die meisten Kräfte absorbierte. Sie wurden in großem Umfang mobilisiert, als die Rote Armee im Sommer 44 in Polen eindrang und damit die Chancen auf eine erfolgreiche Erhebung gegen die deutsche Fremdherrschaft stiegen. Die Heimatarmeeführung wollte v.a. der Befreiung der Hauptstadt durch die Sowjets zuvorkommen und löste am 1.8.44 den Warschauer Aufstand aus. Es wurde ihre letzte Schlacht, da die Rote Armee, die bereits die östliche Vorstadt Praga erreicht hatte, keine Hilfe leistete und auch westliche Hilfsflüge behinderte, sodass die Kerntruppe der Heimatarmee verblutete und am 2.10.44 kapitulieren musste.