Havre, Le

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    französische Hafenstadt in der Normandie (Departement Seine Maritime) am Nordufer der Seinemündung mit 164 000 Einwohnern (1940). Le Havre war Hauptnachschubhafen für die British Expeditionary Forces (BEF) im Frankreichfeldzug. Nach Brechung des Widerstands der französischen 10. Armee stießen Einheiten des deutschen XV. Panzerkorps (Hoth) zur unteren Seine vor und erreichten am 13.6.40 Le Havre, dessen zuvor durch Stuka-Angriffe beschädigte Hafenanlagen instandgesetzt wurden, sodass die Kriegsmarine von hier aus Küstenkonvois sichern und die Schiffsbewegungen im Ärmelkanal überwachen konnte. Sie stationierte in Le Havre mehrere Zerstörer und ließ durch die Organisation Todt mächtige Schnellbootbunker bauen. Auch in der Befestigungskette des Atlantikwalls war Le Havre eine Schlüsselstellung, bei der Küsten- und Flakartillerie massiert wurde. Sie zog aber auch alliierte Luftangriffe an, sodass der Aufbau einer 38-cm-Schiffsbatterie, die bei einer Invasion die Seinebucht beherrschen sollte, nicht mehr gelang. Nach der Landung der Angloamerikaner in der Normandie flogen am 14.6.44 325 britische Bomber mit 1800 t Bomben einen Großangriff auf den Hafen von Le Havre und versenkten 38 Überwasserfahrzeuge, fast die gesamte deutsche Torpedo- und Schnellbootflotte im Invasionsraum. Nach einem weiteren Flächenbombardement mit fast 5000 t Bomben am 10.9.44 griff das britische I. Korps von Land her die "Festung" Le Havre an und zwang die Verteidiger unter Oberst Wildermuth am 12.9. zur Kapitulation, 3000 deutsche Soldaten gingen in Gefangenschaft. Damit endete das Martyrium der 50 000 in der Stadt zurückgebliebenen Einwohner.