Griechenland

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    südeuropäisches Königreich auf der Balkanhalbinsel mit 130 000 km² und 7,2 Millionen Einwohnern (1940) auf dem Festland und zahlreichen Inseln in der Ägäis, Hauptstadt Athen. Seit 4.8.36 wurde Griechenland mit Billigung König Georgs II. diktatorisch von General Metaxas regiert. Zunächst den Achsenmächten zuneigend, lehnte er sich nach der Annexion Albaniens durch Italien zunehmend an Großbritannien an und wurde zum Volkshelden, als er am 28.10.40 das italienische Ultimatum ablehnte, das zum Balkanfeldzug führte. Nach den Siegen gegen die Italiener gelang es jedoch trotz Eingreifens eines britischen Expeditionskorps nicht, den Angriff der deutschen Wehrmacht im April 41 zu stoppen; die nach Metaxas benannte Befestigungslinie im Norden des Landes hielt nur kurze Zeit stand, am 27.4. rückten deutsche Truppen in Athen ein. Der griechische König floh mit den britischen Truppen nach Kreta und, als dort im Mai deutsche Fallschirmjäger erschienen, nach Ägypten. Griechenland musste weite Gebiete Makedoniens und Thrakiens an Bulgarien und Albanien abtreten, das restliche Gebiet wurde zwischen deutschen und italienischen Besatzern aufgeteilt und militärisch vom deutschen Oberbefehlshaber Südost in Belgrad kontrolliert (bis 15.10.41 List, bis 8.8.42 General der Pioniere Walter Kuntze, bis 26.8.43 Löhr, dann v. Weichs). Unter Aufsicht der Besatzungsmächte bildete General Tsolakoglu eine "Quisling"-Regierung in Athen.

    Der deutsche Sieg war mit einem folgenreichen Verlust mehrerer Wochen für den längst geplanten Angriff im Osten erkauft worden. Zudem war das kaum industrialisierte und rohstoffarme Griechenland für die deutsche Kriegführung ökonomisch wenig ergiebig. Dennoch wurde soviel wie möglich herausgepresst, v.a. Lebensmittel, sodass es in den folgenden Wintern zu schweren Hungersnöten kam; allein 1941/42 verhungerten in Athen 3000 Menschen. Hinzu kam die Belastung durch Flüchtlinge aus den verlorenen Gebieten, in denen eine massive Bulgarisierung eingesetzt hatte. Gegen die Besatzer bildeten sich bald Widerstandsgruppen, darunter vor allem die kommunistisch geführte EAM, deren bewaffnete Truppe, die ELAS unter ihrem furcht- und skrupellosen Chef Aris Veloukiotis, zu einem gefährlichen Gegner der deutschen und italienischen Sicherheitskräfte wurde. Der sich v.a. in der EDES unter General Zervas sammelnde bürgerliche Widerstand war dagegen zwar zahlenmäßig bedeutungslos, erhielt aber den Löwenanteil der britischen Hilfslieferungen, die per Fallschirm abgeworfen oder an unzugänglichen Küstenstreifen angelandet wurden. Die Briten versuchten damit den kommunistischen Einfluss einzudämmen. Ende 42 befanden sich große Teile der Gebirgsregionen in Zentralgriechenland in der Hand der "Banden", wie die Partisanen im offiziellen deutschen Sprachgebrauch genannt wurden. Die Lage spitzte sich 1943 weiter zu trotz der Ablösung Tsolakoglus zunächst durch Logothetopoulos, dann seit 6.4. durch Rallis. Zur Unterstützung der Besatzer wurden "Sicherheitsbataillone" aufgestellt, die an den grausamen Repressalien der deutschen Polizei und regulärer Wehrmachteinheiten beteiligt waren, denen ganze Ortschaften wie Distomon oder Kalavrita zum Opfer fielen. Es setzte eine verschärfte Verfolgung der etwa 100 000 griechischen Juden ein, die zu zwei Dritteln in Saloniki lebten, wo im Februar 43 ein Getto eingerichtet wurde. Im Monat darauf begannen die Deportationen in die Vernichtungslager, etwa 65 000 Juden aus Griechenland wurden dort ermordet.

    Mit der Macht der Widerstandsgruppen, denen nach dem Sonderwaffenstillstand Italiens (September 43) zahlreiche Waffendepots in die Hände fielen, wuchsen auch die Rivalitäten. Eine von den Briten am 13.8.43 nach Kairo einberufene Konferenz aller Gruppierungen hatte die Differenzen nicht zu überbrücken vermocht. Selbst in den auf britischer Seite kämpfenden 2 griechischen Brigaden kam es zu Konflikten, sodass einige Einheiten aus der Front genommen werden mussten. Und nur eine deutsche Offensive in Mittelgriechenland hinderte am 18.10.43 die ELAS-Verbände an der Zerschlagung der EDES, auf die sich die Briten und die griechische Exilregierung unter Georgios Papandreou stützten. Als die Rote Armee zum Balkan vorstieß, geriet die deutsche Heeresgruppe E (Löhr) in Gefahr, in Griechenland abgeschnitten zu werden. Athen wurde daher am 9.10.44 geräumt; am 2.11.44 verließen die letzten deutsche Verbände nach Zerstörung zahlreicher Brücken, Tunnels und Versorgungseinrichtungen das Land, in dem bereits seit 15.10. britische Truppen landeten. Es kam wegen der britischen Unterstützung der Restauration der Monarchie zu schweren Auseinandersetzungen mit der ELAS und nach deren Niederlage zu einer Welle "weißen" Terrors, die in den bis 1949 andauernden blutigen griechischen Bürgerkrieg mündete.