Greif

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Beiname des deutschen Fernbombers Heinkel He 177, Erstflug 19.11.39. Die Entwicklung ihres einzigen strategischen Bombers bescherte der Luftwaffe eine Kette technischer Fehlschläge; wegen ihrer vielen Triebwerksbrände war die Greif bei der Truppe als "Reichsfeuerzeug" berüchtigt. Die ersten Serienmuster, die die Fw 200 Condor über dem Atlantik ablösen und die sowjetischen Rüstungsschmieden am Ural lahm legen sollten, kamen schließlich seit Herbst 43 zum Einsatz, jedoch wurde die Masse aller 1094 gefertigten Maschinen im Sommer 44 wegen Spritmangels stillgelegt und verschrottet. 6000 km weit fliegen mit 1000 kg Bombenzuladung und 500 km/h schnell sein sollte der 1936 vom Luftfahrtministerium geforderte A-Bomber, den Konstrukteur Heinrich Hertel daher mit dem 2700-PS-Doppelsternmotor DB 606 ausrüstete: 2 zusammengekoppelte DB-601-Motoren in einem Gehäuse. Dieser feuergefährliche Zwillingsmotor erwies sich als Achillesferse, die zahlreiche Besatzungen das Leben kostete. Die nachträglich geforderte Sturzflugtauglichkeit wurde bei anfangs 21 t Abfluggewicht und 31 m Spannweite zum zusätzlichen Risiko, da zeitraubende Verstärkungen der Zelle mit entsprechendem Gewichtszuwachs erforderlich wurden. Das KG 40 in Bordeaux-Mérignac gab seine ersten Greif nach kurzer Erprobung wegen laufender Triebwerksprobleme an die Kampffliegerschulen ab. Mit vernichtenden Ergebnissen endete im Februar 43 der erste Fernkampfeinsatz im Osten, wo über Stalingrad 7 Maschinen ohne erkennbare Feindeinwirkung verloren gingen. In einer verbesserten Einsatzreihe als Lenkwaffenträger kehrte die Greif im Herbst 43 zur II. Gruppe/KG 40 nach Bordeaux zurück und bekämpfte nach einigen verlustreichen Tageseinsätzen nur noch nachts Geleitzüge im Atlantik und im Mittelmeer sowie Schiffsansammlungen vor der Normandie. Zwei andere Bombergruppen flogen mit schwarz gestrichenen Greifs während der Operation "Steinbock" gegen London. Als größter geschlossener Verband unterstützte das KG 1 von Mai bis Juli 44 die Abwehrkämpfe in Ostpreußen.

    Daten der letzten Einsatzserie He 177 A-5: 2x2950 PS, maximal 472 km/h, 5000 km Reichweite mit 2 Hs-129- oder FX-1400-Lenkwaffen als Außenlast, 6 Mann Besatzung, 2x20-mm-Kanonen, 2x13-mm-MG, je 1x13-mm- und 1x7,9-mm-MG als Abwehrbewaffnung. Die Alliierten testeten verschiedene Beutemaschinen, ein Museumsstück blieb nicht erhalten.