Gleiwitz

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Ein fingierter polnischer Überfall am 31. August 1939 auf die Rundfunkstation Gleiwitz diente als Rechtfertigung für den am 1. September beginnenden Polenfeldzug.

    deutsche Großstadt im oberschlesischen Industrierevier mit 120 000 Einwohnern (1940). Gleiwitz war Schauplatz der ersten Kriegshandlung 1939, als auf Befehl von SD-Chef Heydrich am 31.8. von einem SS-Kommando ein fingierter Überfall auf den dortigen Reichssender unternommen wurde. Damit sollte vor der Weltöffentlichkeit der Beweis für unerträgliche polnische Grenzübergriffe erbracht und der am folgenden Tag beginnende deutsche Polenfeldzug als Akt der Notwehr hingestellt werden. Gegen 20 Uhr besetzte eine als polnische "Insurgenten" getarnte Gruppe den Senderaum, unterbrach das Programm und ließ einen polnischen Aufruf zum Kampf gegen Deutschland verlesen, während im Hintergrund Gefechtslärm simuliert wurde. Nach Ende der 20-minütigen Aktion ließen Heydrichs Leute einen getöteten KZ-Häftling in polnischer Uniform als "Beweis" für die Provokation zurück. Der Coup erzielte nicht die erhoffte propagandistische Wirkung, da zum Zeitpunkt des "Überfalls" der überregionale Sender Breslau nicht zugeschaltet war und weil im In- und Ausland nach ähnlichen Erfahrungen tiefe Skepsis herrschte bei nationalsozialistischen Entrüstungsfeldzügen.

    Gleiwitz wurde am 24.1.45 von der sowjetischen 21. Armee (Gusjew) genommen.