Funkmesstechnik

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Ortungs- und Feuerleitverfahren mittels eletromagnetischer Wellen, im englischen Sprachgebrauch unter der Abkürzung Radar bekannt. Die theoretischen Grundlagen schufen Ende des 19. Jahrhunderts v.a. die Physiker Clerk Maxwell und Heinrich Hertz mit ihren Arbeiten zur Hochfrequenztechnik, Nikola Tesla wies um 1900 erstmals auf die Möglichkeit der Funkmessung nach dem Rückstrahlprinzip hin, Christian Hülsmeyer erhielt 1904 das erste Patent für ein Verfahren zur Meldung metallischer Gegenstände. In den 1930er Jahren wurden in den europäischen Industrieländern und in den USA erste Funkmessgeräte entwickelt, die den Luft- und Seekrieg revolutionierten. In Deutschland konzentrierten sich die Forschungen seit 1934 zunächst auf ein 50-cm-Feuerleitgerät für Kriegsschiffe. Es kam seit 1937 unter dem Tarnnamen Seetakt in die Erprobung und blieb den ganzen Krieg hindurch im Einsatz. Das Gegenstück bei der Flak hieß Würzburg; seit 1940 serienreif, gehörte es zur Standardausrüstung der schweren Batterien. In Verbindung mit dem Frühwarngerät Freya wurden Würzburg-Geräte bei der bodengeleiteten Nachtjagd ("Himmelbett") eingesetzt. 1942 erhielten die zweimotorigen Nachtjäger elektronische Fühler durch das bordeigene Lichtenstein-Gerät; dem entsprach für die Schiffssuche das Funkmessgerät Hohentwiel.

    Mit allen erdenklichen Mitteln versuchte der britische Geheimdienst, die deutsche Funkmesstechnik auszuforschen. Beim Raid gegen Bruneval im Februar 41 entführten Kommandotruppen ein Würzburg-Gerät, das streng geheime Lichtenstein-Radar wurde der RAF quasi frei Haus geliefert, als am 9.5.43 eine Nachtjäger-Besatzung mit ihrer Ju 88 nach Schottland desertierte. Die Geräte arbeiteten mit Dezimeterwellen und waren durch Stanniolstreifen leicht zu stören (Window). Dagegen entwickelte die Flak Entstörgeräte, die Nachtjagd wich seit Herbst 43 mit dem neuen Weitwinkel-Lichtenstein auf längere Frequenzen aus. Britischen Spezialisten war inzwischen der Durchbruch im Bereich der Zentimeterwellen gelungen (Rotterdam-Gerät), was die deutsche Nachtjagd und U-Boot-Waffe sich wiederum durch ein passives Ortungsverfahren (Naxos) für Impulse des britischen H2S-Bordradars zunutze machten: Das Funkmess-Beobachtungsgerät Korfu sprach auf Entfernungen von 200 km und mehr auf die Ausstrahlungen an, sodass die alliierten Geschwader schon vor dem Start in England beim Aufwärmen des Radargeräts gemeldet werden konnten. Ende 44 hatte die deutsche Hochfrequenztechnik mindestens alliierten Standard erreicht: Das 9-cm-Nachtjagdradar Berlin arbeitete nun ohne sperriges Antennengeweih; doch es kam ebenso zu spät wie Egerland, das modernste Ortungs- und Zielsystem der Flak mit rund 50 km Reichweite.