Freudenstadt

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    württembergischer Luftkurort im nordöstlichen Schwarzwald mit 11 000 Einwohnern (1940). Freudenstadt blieb im Krieg von alliierten Luftangriffen weitgehend verschont. Bei näherrückender Front im Frühjahr 45 wurden in dem intakten und abgelegenen Städtchen in Hotels und Pensionen Lazarette für Schwerverwundete eingerichtet, durch Rot-Kreuz-Zeichen deutlich gekennzeichnet. Am 15.4.45 erreichten Spitzen der französischen 1. Armee (Lattre de Tassigny) den Ortsrand von Freudenstadt, das ohne jede Verteidigung war. Ohne Warnung eröffnete am Morgen des 16. das 3. marokkanische Spahi-Regiment unter Oberstleutnant de Castries mit Spreng- und Brandgranaten das Feuer auf die Stadt. Wenige Stunden später erschienen die ersten französischen Panzer; es folgten Trupps marodierender Soldaten, die mit Fackeln und Handgranaten Brände legten. Nach mehreren Tagen war der idyllische Badeort ein rauchender Trümmerhaufen, die Bevölkerung war vor den plündernden und vergewaltigenden Siegern geflohen. Eine Untersuchung der Vorfälle verlief im Sand; de Castries wurde später bekannt als Oberbefehlshaber der französischen Verteidiger von Dien Bien Phu in Indochina, wo er am 7.5.54 vor Vietminh-Truppen kapitulieren musste.