Frauenerwerbsarbeit

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    (kriegsbedingte) Berufstätigkeit von Frauen. Die Frauenerwerbsarbeit in Deutschland hatte im 2. Weltkrieg eine geringere Bedeutung als 1914-18. Zwischen 1939 und Mitte 41 nahm die Zahl der weiblichen Berufstätigen sogar leicht ab (von 14,6 auf 14,1 Millionen) und stieg dann bis Herbst 44 schließlich auf 14,9 Millionen. Nahezu konstant blieb die Beschäftigungsstruktur der weiblichen Arbeitskräfte: Etwa 38% der erwerbstätigen Frauen arbeiteten in der Landwirtschaft, 26% in Industrie und Handwerk, 25% im Handels- und Dienstleistungssektor sowie 11% in der Hauswirtschaft.

    Die Entwicklung der Frauenerwerbsarbeit war vom Widerspruch zwischen Herrschaftslegitimierung und nationalsozialistischer Ideologie (Frau als Ehefrau, Mutter und "Haushälterin") einerseits und den kriegswirtschaftlichen Bedürfnissen andererseits geprägt. Das machte sich v.a. bei der Dienstverpflichtung von Frauen bemerkbar, die bis Ende des Krieges nicht richtig "griff". Die nationalsozialistischen Herrschaftsträger versuchten zwar mit Propagandafeldzügen ("Frauen helfen siegen") und sozialen Vergünstigungen (z.B. relativ fortschrittlichem Mutterschutzgesetz von 1942) die Frauen für Erwerbsarbeit zu gewinnen. Aber wegen des verhältnismäßig hohen Familienunterhalts der zur Wehrmacht eingezogenen Ehemänner trachteten viele Ehefrauen und Mütter (erst recht Frauen aus sozial höheren Kreisen und mit "Beziehungen") danach, die Dienstverpflichtung zu umgehen oder doch nur relativ angenehme Arbeitsplätze anzunehmen.

    Obwohl viele Frauen auf Männerarbeitsplätzen tätig waren und unter der Doppelbelastung (Beruf und Familie) häufig litten, lagen die Löhne - von Ausnahmen abgesehen - für die Frauenerwerbsarbeit nach wie vor ca. 25% niedriger. Bis auf wenige Ausnahmen (Akademikerinnen) gab es für Frauen auch keine Aufstiegschancen. Der verhältnismäßige Misserfolg bei der Dienstverpflichtung deutscher Frauen für die Kriegswirtschaft wurde durch den massenhaften Einsatz von Zwangsarbeitern zu kompensieren versucht, zumal diesen Personengruppen gegenüber die vergleichsweise strengen Bestimmungen des Arbeitsschutzes für deutsche Frauen entfielen.