Flying Fortress

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Eine B-17 Flying Fortress nach einer Bruchlandung auf Hawaii 1941

    amerikanischer Langstreckenbomber Boeing B-17, Erstflug 28.7.35. Maschinen vom Typ Flying Fortress, der in insgesamt 12 731 Exemplaren gebaut wurde, trugen die Hauptlast der US-Tagesangriffe gegen Deutschland, wobei sie 571 460 t Bomben abwarfen und 4750 Totalverluste hatten. Ursprünglich als Kampfflugzeug für den Patrouillendienst vor der amerikanischen Küste konzipiert, verdienten die ersten Friedensmodelle noch nicht das Prädikat einer Flying Fortress; erst die Baureihe E (Probeflug 5.9.41) wurde anhand von Einsatzerfahrungen bei der RAF zum Angriffsbomber mit verstärkter Panzerung und verdoppelter Feuerkraft umkonstruiert, deutlich sichtbar am Heckstand und der weit nach vorn gezogenen, elegant geschwungenen Seitenflosse.

    Mit einem Tagesraid von 12 Flying Fortress gegen Bahnknotenpunkt Rouen-Sotteville eröffnete die 8. US-Luftflotte (Spaatz/Eaker) am 17.8.42 ihre Operationen mit Viermotorigen über dem besetzten Kontinent. Die B-17E (512 Exemplare) bildete mit ihrer auf 10 Mann angehobenen Besatzung das Ausgangsmuster zweier Großreihen, die von Mai 42 bis Juli 45 bei Boeing, Douglas und Lockheed vom Band liefen: Die Flying Fortress-Reihe (3405 Exemplare) kam erstmals am 27.1.43 gegen Wilhelmshaven zum Einsatz, die G-Version war seit Herbst 43 wichtigstes Frontmodell (8680 Exemplare). Sie trug zur Abwehr von Frontalattacken einen dritten, ferngesteuerten Drehturm unter dem Rumpfbug ("Kinnturm") und wurde mit 13x12,7-mm-Browning-MG die am stärksten bewaffnete Baureihe; eine geschlossene Battle Box von je 18 solcher Flying Fortress brachte etwa 200 MG auf bis zu 1000 m zur Geltung. Dennoch mussten die unbegleiteten Langstreckenangriffe nach verlustreichen Luftschlachten vom Sommer/Herbst 43 vorübergehend aufgegeben werden, da sich der Einsatz von YB-40 "Begleitfestungen" nicht bewährt hatte.

    B-17 Flying Fortress

    Erst unter dem Schutz der neuen Mustang-Fernjäger lebte die Offensive wieder auf; 6.3.44 erster Großangriff mit 500 Flying Fortress gegen Berlin; am Heiligen Abend 44 demonstrierte die amerikanische Luftwaffe beim größten Flying Fortress-Einsatz des Krieges mit 1400 Maschinen ihre absolute Luftherrschaft. Die Flying Fortress überstand unglaubliche Beschussschäden, ließ sich leicht steuern und war wegen ihrer Zuverlässigkeit bei der Truppe beliebt. In Sonderversionen diente sie als Fotoaufklärer, Seenotrettungsflugzeug und VIP-Transporter. Beim RAF-Küstenkommando flog sie unter der Bezeichnung Fortress als Patrouillenbomber und Wetteraufklärer; eine Spezialeinheit des Bomber Command führte mit schwarz gestrichenen Flying Fortress Radarkrieg gegen die deutsche Nachtjagd. Die Luftwaffe flog einige Beuteexemplare als Demonstrationsmodelle für die Jagdpiloten und unter der Bezeichnung Do 200 als Agententransporter beim "Geistergeschwader" KG 200. Daten der letzten Serienvariante B-17G: 4x1200-PS-Sternmotoren Wright Cyclone, maximal 438 km/h in 9150 m Höhe, Reichweite 2980 km, bis 4880 kg Bomben, Startgewicht knapp 33 t, 11 Mann Besatzung.