Fliegerlynchjustiz

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Übergriffe deutscher Zivilisten an abgesprungenen alliierten Piloten, die als "Terrorflieger" galten. Zunächst bemühte sich die deutsche Polizei, die Fliegerlynchjustiz einzudämmen, sie wurde aber im August 43 von Himmler angewiesen, sich nicht in Auseinandersetzungen zwischen "deutschen Volksgenossen" und feindlichen Fliegern einzumischen. Ein Befehlsentwurf des Wehrmachtführungsstabs vom Juni 44 stufte dann unter anderem Bordwaffenangriffe auf Zivilisten, Personenzüge, Krankenhäuser u.a. als Terrorhandlungen ein, die eine Fliegerlynchjustiz rechtfertigten. Bereits gefangene Piloten im Fliegeraufnahmelager Oberursel (Taunus), die angeblich oder tatsächlich solche Handlungen begangen hatten, sollten dem Sicherheitsdienst zur "Sonderbehandlung" (= Tötung) übergeben werden. Nach Zustimmung des Auswärtigen Amtes und des Oberbefehlshabers der Luftwaffe wurde in der Folgezeit entsprechend verfahren. Nach dem Krieg wurden zahlreiche Fälle von Fliegerlynchjustiz vor alliierten Militärgerichten verhandelt. Überführte Täter wurden durchweg zum Tod verurteilt und hingerichtet.