Finnland

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Republik in Nordeuropa mit 388 279 km² und rund 3,8 Millionen Einwohnern (1939), Hauptstadt Helsinki. Nach langer russischer Fremdherrschaft prägte tiefes Misstrauen gegenüber Moskau die finnische Politik. Hinzu kamen nach dem harten Kampf um die Unabhängigkeit 1919/20 gegen die Rote Armee eine antikommunistische Haltung und ein Gefühl der Verbundenheit mit Deutschland, das den Freiheitskampf zeitweise aktiv unterstützt hatte. Im nationalsozialistischen Antibolschewismus fand dies noch zusätzlich Nahrung. Um so tiefer traf Finnland der Deutsch-Sowjetische Nichtangriffsvertrag vom 23.8.39, und der Schock wäre noch tiefer gegangen, hätte Helsinki das geheime Zusatzprotokoll gekannt, in dem Finnland ausdrücklich der sowjetischen Interessensphäre zugeordnet worden war. Nach dem deutschen Angriff auf Polen wuchs wie erwartet der sowjetische Druck auf Finnland, Moskau forderte im Oktober 39 ultimativ Grenzkorrekturen in Karelien, v.a. auf der Landenge zwischen Ladoga- und Ostsee, Abtretung von Stützpunkten, u.a. Hangö am Eingang des Finnischen Meerbusens, und den Zugang zu den Nickelgruben bei Petsamo an der norwegischen Grenze. Nach Weigerung Finnlands kam es zum verlustreichen Winterkrieg, der mit dem Frieden von Moskau (12.3.40) und der Annahme der ursprünglichen sowjetischen Forderungen zuzüglich einiger weiterer Abtretungen (u.a. Wiborg) endete.

    Nach der deutschen Besetzung Dänemarks und Norwegens (April 40) fand sich Finnland in völliger Isolierung. Zu den internen Problemen durch die Flüchtlinge aus den abgetretenen Gebieten, ca. 420 000 Menschen oder 11% der Gesamtbevölkerung, kamen wirtschaftliche Probleme durch den Verlust des Hauptabsatzmarktes für die finnischen Zelluloseprodukte in England. Eine Annäherung an Schweden stieß in Moskau auf Misstrauen, da man eine antisowjetische skandinavische Front befürchtete. Angesichts der Bolschewisierung der Baltischen Staaten im Sommer 40 blieb Helsinki in dieser Lage nur die Anlehnung an Deutschland, das nach den Siegen in Polen und Frankreich eine allmähliche Distanzierung von Moskau erkennen ließ und sich an finnischen Waren interessiert zeigte. Förderer der Annäherung war v.a. Staatspräsident (seit 19.12.40) Risto Ryti (1889-1956), der schon als Ministerpräsident den Winterkrieg so entschlossen geführt hatte. Wirtschaftlichen Vereinbarungen folgte die finnische Genehmigung des Transports deutscher Truppen über finnisches Gebiet vom Bottnischen Meerbusen nach Lappland. Dies war bereits ein Teil der deutschen Vorbereitungen für "Barbarossa", den Überfall auf die Sowjetunion.

    Finnland schloss sich am 26.6.41 unter dem Oberbefehl Mannerheims dem deutschen Russlandfeldzug an, betonte aber die selbständige finnische Rolle, bezeichnete sich nur als "mitKrieg führend" und die Operationen als "Fortsetzungskrieg". Dahinter stand das Bemühen, nicht auch mit den Westmächten in einen Krieg verwickelt zu werden. Daher trat Finnland auch nur dem Antikominternpakt (25.11.41), nicht aber dem Dreimächtepakt bei. Die dennoch erfolgende britische Kriegserklärung vom 6.12.41 verstärkte noch die Zurückhaltung Finnlands. Die zusammen mit der Wehrmacht geführte Offensive brachte schon bald Erfolge, am 1.9.41 wurde die alte Grenze auf der Karelischen Landenge erreicht, im Norden überschritten die deutsch-finnischen Truppen die ehemalige Grenze auf breiter Front, im Dezember 41 waren das gesamte Nordufer des Ladoga und das Westufer des Onega-Sees mit Petrosawodsk in finnischer Hand. Mannerheim ging jedoch trotz guter Aussichten für einen weiteren Vormarsch überall zur Verteidigung über, sodass u.a. Murmansk und die Landverbindung dorthin in sowjetischem Besitz blieb. Die weitere Entwicklung des Ostfeldzugs, die deutschen Gräuel in den traditionell als verwandt empfundenen Baltischen Staaten und nicht zuletzt die amerikanische Propaganda brachten allmählich eine Entfremdung zwischen Berlin und Helsinki.

    Spätestens seit Ende 42 wurde mit zunehmender Intensität nach einem Weg zum Kriegsaustritt gesucht. Nachdem noch im Frühjahr 44 finnisch-sowjetische Sondierungen gescheitert waren, ließen die militärischen Erfolge der Roten Armee im Sommer 44 (u.a. 9.6. Durchbrechung der Mannerheim-Linie) den Verständigungswillen wachsen. Der Rücktritt Rytis zugunsten Mannerheims als Staatspräsident am 1.8. machte den Weg zum Waffenstillstand (19.9.44) frei. Die deutschen Verbände mussten Finnland verlassen ("Birke"), wobei es nicht nur zu Kämpfen mit der nachdrängenden Roten Armee, sondern auch mit finnischen Truppen kam. Die sowjetischen Bedingungen ähnelten denen von 1940: 300 Millionen Dollar Kriegsentschädigung, Verpachtung des Stützpunkts Porkkala, Abtretung des Gebiets von Petsamo und damit des Zugangs zum Eismeer, Verurteilung der "Kriegsverbrecher" wie z.B. Ryti. Trotz dieser schweren Einbußen gelang es dem neuen finnischen Ministerpräsidenten (1944-46) und Staatspräsidenten (1946-56) Juho Paasikivi (1870-1956), Finnlands staatliche Unabhängigkeit durch geschickten Neutralitätskurs zu wahren.