Finanzwirtschaft

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Einrichtungen und Tätigkeiten zur Beschaffung und Verwendung von Mitteln für öffentliche Zwecke. Die deutsche Finanzwirtschaft stand 1939-45 unter dem Primat der Kriegsfinanzierung, die das Jahresbudget des Deutschen Reiches von 31,8 Milliarden Reichsmark 1938/39 auf 153 Milliarden Reichsmark 1943/44 ansteigen ließ. Von den 614 Milliarden Reichsmark Gesamtausgaben von September 39 bis April 45 entfielen 414 Milliarden auf Wehrmachtsausgaben. Die Beträge wurden wie im 1. Weltkrieg weitgehend ohne Steuererhöhungen v.a. durch eine starke Ausweitung der Staatsverschuldung von 33 auf 88 Milliarden Reichsmark aufgebracht (Reichsschuld). Anstelle der öffentlichen Anleihen von 1914/18 entwickelte man jedoch eine "geräuschlose" Kriegsfinanzierung: Der Staat schöpfte bei Banken und Sparkassen den Kaufkraftüberhang ab, der bei den privaten Haushalten infolge unzureichender Konsumgüterproduktion entstand und auf die Sparkonten floss. Dieser Kreislauf funktionierte, bis im Sommer 44 die militärischen Rückschläge zu einem Vertrauensschwund führten und verstärkt Spargelder zurückgefordert wurden. In der Folgezeit hielt gesteigerter Banknotendruck die Finanzierung des Krieges aufrecht. Die darin liegende inflationäre Tendenz trat im jetzt schnell expandierenden Schwarzmarkt zutage. Einen größtenteils zwangsweisen Beitrag zur deutschen Kriegsfinanzierung in Höhe von etwa 120 Milliarden Reichsmark leisteten die besetzten und verbündeten Länder in Form von Besatzungskosten, diversen Kontributionen und Vorleistungen im Handelsaustausch (Clearing-Kredite). Insgesamt konnten fast während der gesamten Kriegsdauer die Finanzmittel problemlos bereitgestellt werden, jedoch um den Preis eines gewaltigen Schuldenbergs und einer Zerrüttung nicht nur der Reichsmark, sondern auch der Währungen besetzter Länder wie z.B. Griechenlands.