Fallschirmjäger

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Alliierte Fallschirmjäger werden von Flugzeugen abgesetzt

    (Luftlandetruppen), infanteristische Kampftruppe, die zur Sicherung oder Ausschaltung wichtiger Positionen durch Fallschirmabsprung aus Transportflugzeugen hinter den Linien des Gegners abgesetzt wird und sich dort bis zum Eintreffen von Entsatz behaupten soll. Am 29.1.36 befahl Göring als Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Freiwillige aus dem Regiment "General Göring" als Fallschirmjäger auszubilden. Aus diesem Bataillon unter Major Bruno Bräuer entstand am 1.4.38 das I./Fallschirmjägerregiment 1. Ebenfalls 1936 bildete das Heer ein Fallschirm-Infanteriebataillon unter Major Richard Heidrich in Stendal, später Braunschweig, 4.11.39 als II./Fallschirmjägerregiment in die Luftwaffe überführt. Die noch unfertige Fallschirmjägerdivision (7. Fliegerdivision) kam unter Generalleutnant Student zusammen mit der 22. Luftlandedivision vom 10.5.40 an im Westen zum Einsatz, nachdem schon im April 40 Fallschirmjäger in Norwegen gelandet waren. Die größte Operation deutscher Fallschirmjäger fand Ende Mai 41 statt beim Unternehmen "Merkur" zur Eroberung der Insel Kreta.

    Deutsche Fallschirmspringer durchkämmen das Gelände auf Kreta

    Die 7. Fliegerdivision wurde im Mai 43 in 1. Fallschirmjägerdivision umbenannt und kämpfte nach einem letzten Sprungeinsatz am 12.7.43 südlich Catania (Sizilien) bis Kriegsende als Infanteriedivision in Italien. Bereits im Februar 43 war die 2. Fallschirmjägerdivision gebildet worden; nach Sprungeinsätzen u.a. am 9.9.43 über dem Monte Rotondo zur Ausschaltung des Hauptquartiers des italienischen Heeres und am 17.9.43 bei Portoferraio (Elba) kämpfte sie wie die 3. (gebildet Oktober 43), 5. (März 44), 6. (Juni 44), 7. (Oktober 44) und 8. Fallschirmjägerdivision (Dezember 44) im Westen, während die 4. (November 43) in Italien und die 9. Fallschirmjägerdivision (Dezember 44) an der Ostfront eingesetzt waren, 2 ihrer Bataillone wurden im Februar 45 auf ausdrücklichen Befehl Hitlers in die eingeschlossene "Festung Breslau" eingeflogen. Die erst im März 45 aufgestellte 10. Fallschirmjägerdivision geriet bei Melk und Iglau (Österreich) in sowjetische Gefangenschaft. Höchster Kommandostab der als Infanterie eingesetzten Fallschirmjägerdivision war seit März 44 die 1. Fallschirmarmee, die seit 4.9.44 als Armeeoberkommando am Niederrhein eingesetzt wurde.

    Die Waffen-SS bildete im September 43 das Fallschirmjägerbataillon 500, das u.a. am 25.5.44 beim Versuch, das Hauptquartier Titos auszuheben (Unternehmen "Rösselsprung"), verwendet wurde; Oktober 44 mit neuer Nr. 600, zuletzt "Jagdverband" an der Oder. Neben den Luftwaffendivisionen gab es die erwähnte 22. und die 91. Luftlandedivision, letztere im Januar 44 aufgestellt, an der Invasionsfront untergegangen.

    In der UdSSR hatte man schon wesentlich früher mit der Bildung von Fallschirmjägerverbänden begonnen. Bereits 1930 gab es bei der 11. Schützendivision eine motorisierte Luftlandeabteilung als Versuchsverband, 1932 zur Brigade erweitert. Im September 35 sprangen bei einem Manöver 1200 Fallschirmjäger ab, Transportflugzeuge setzten 2500 weitere Soldaten mit Geschützen und leichten Panzern ab. Im April 41 begann die Aufstellung von 5 Luftlandekorps, die nach dem deutschen Überfall u.a. im Raum Kiew (II. und III.) eingesetzt waren. Das III. Korps wurde am 18.10.41 zur 87. Schützendivision umgewandelt, das IV. erlitt im Februar 42 bei Wjasma schwere Verluste. Fallschirmjäger halfen im September 43 bei der Überwindung des Dnjepr, andere beteiligten sich im August/September 45 in Nordchina an der Zerschlagung der japanischen Kwantungarmee. Am 1.1.45 dienten 24 000 Fallschirmjäger bei den sowjetischen Luftlandetruppen.

    Am 20. Mai 1941 landete die erste Absprungswelle deutscher Fallschirmjäger auf Kreta.

    Zwischen März 42 und August 43 formierten die USA 5 Luftlandedivisionen; die 11. kam seit 25.5.44 auf Neuguinea, dann seit 18.11.44 auf den Philippinen zum Einsatz, u.a. Eroberung Manilas (17.2.45); die 13. gehörte 1944/45 zur 1. alliierten Luftlandearmee, kam jedoch bis auf ein Regiment nicht zum Einsatz; die 17. erreichte im Dezember 44 Nordfrankreich und kämpfte bis Kriegsende an der Westfront, zuletzt Zerschlagung des Ruhrkessels; die 82. landete am 10.7.43 auf Sizilien, wenig später auf dem italienischen Festland und am 6.6.44 in der Normandie, seit 17.9.44 Vorstoß von Arnheim bis Mecklenburg (30.4.45); die 101. war an der Invasion beteiligt, hielt im Dezember 44 Bastogne während der Ardennenoffensive und war zum Schluss beim Vormarsch nach Süden bis Berchtesgaden dabei.

    Großbritannien stellte im November 41 die 1. Airborne-Division auf, der am 3.5.43 die 6. folgte; die 1. wurde bekannt durch ihren zähen, aber vergeblichen Kampf bei Arnheim im September 44 ("Market Garden"); die 6. unternahm am 24.3.45 mit der 17. US-Luftlandedivision im Raum nördlich Lippe eine Luftlandung und traf am 2.5.45 bei Wismar mit Einheiten der 70. sowjetischen Armee zusammen. In der italienischen Armee gab es 3 für den Lufttransport vorgesehene Divisionen: "La Spezia" (80.) in Tunesien als Infanteriedivision, "Nembo" (184.) für den Küstenschutz, Teile von "Folgore" (185.) wurden vom deutschen Fallschirmgeneral Ramcke für Sprungeinsätze ausgebildet, aber nicht mehr verwendet.