Essen

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    deutsche Großstadt im Ruhrgebiet mit 665 000 Einwohnern (1940). Die in und um Essen massierten Industrieanlagen, v.a. die Rüstungsfabriken der Krupp-Werke, waren eines der bevorzugten Ziele alliierter Luftangriffe, obwohl die "Waffenschmiede des Reiches" in der deutschen Luftverteidigung an oberster Stelle rangierte. Erste größere Einflüge britischen Bomber erlebte Essen 1942 am 25./26.3., 10./11.4., 2./3.6. und 8./9.6., als jeweils zwischen 200 und 300 t Bomben fielen. Mit einem Großangriff auf die Stadt am 5.3.43 eröffnete die RAF die "Luftschlacht über der Ruhr", wobei sie erstmals das "Katze-und-Maus-Verfahren" anwandte: Um Flak und Nachtjägern weniger Ziele zu bieten, flogen die Bomber nicht in breiter Front, sondern als langgestreckter Strom an, dirigiert von zwei Sendern - Codebezeichnung "Katze" und "Maus" - die von England aus auf einem "Oboe"-Leitstrahl Navigationshilfe gaben. Den 386 angreifenden Maschinen flogen Pfadfinder voraus und setzten Zielmarkierungen, die von im Bomberstrom folgenden weiteren Pfadfindern alle 2 Minuten erneuert wurden. Als um 21.40 Uhr die letzte Welle abflog, waren die Innenstadtviertel von Essen vernichtet, 3016 Häuser zerstört, 2050 schwer und 17 000 leicht beschädigt, 397 tote und 1440 verwundete Zivilpersonen wurden gezählt; die Briten verloren 14 Bomber. Trotz weiterer Angriffe, die auch die anderen Stadtbezirke verwüsteten, konnte die Industrieproduktion der Stadt erst in den letzten Kriegsmonaten empfindlich gestört werden. Im März und Oktober 44 fielen nochmals 7400 t und am 28./29.11.44 sowie am 11.3.45 über 5800 t Bomben auf Essen, das am 10.4.45 von Einheiten der 9. US-Armee (Simpson) besetzt wurde. Insgesamt waren rund 100 000 Wohnungen (50,5%) zerstört worden.