Entlassung

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    aus der Gefangenschaft, im Genfer Abkommen über die Behandlung von Kriegsgefangenen vom 27.7.29 geregelte Freilassung von im Krieg eingebrachten feindlichen Kombattanten. Danach war die Entlassung umgehend nach Beendigung der Feindseligkeiten vorzunehmen; strittig blieb nach dem 2. Weltkrieg, ob darunter die Kapitulation oder der Abschluss eines Friedensvertrages zu verstehen sei. Das neue Genfer Kriegsgefangenenabkommen vom 12.8.49 trug dem Rechnung und bestimmte, dass die Gefangenen "nach Beendigung der Feindseligkeiten ohne Verzug freizulassen und heimzuschaffen" sind (Artikel 118). Die Entlassung der deutschen Gefangenen begann bei allen Gewahrsamsstaaten unmittelbar nach der Kapitulation. Während die Sowjetunion und Frankreich jedoch lediglich arbeitsunfähige Gefangene entließen, dehnten die USA und insbesondere Großbritannien die Entlassung auch auf gewisse Kategorien anderer Gefangener aus, z.B. auf Angehörige des Volkssturms oder auf Personen, die zur Aufrechterhaltung der Versorgung und Verwaltung in der Heimat benötigt wurden (Operation "Barleycorn"). Die eigentliche Entlassung begann bei den Westalliierten 1946, z.T. unter besonderen Bedingungen. So hatten die Engländer bestimmte Gefangenenkategorien gebildet: A oder "weiß" (Antinazis mit den Abstufungen A+, A, A-), B oder "grau" (politisch Indifferente) und C oder "schwarz" (Nazis). Zunächst wurden nacheinander "weiß" und "grau" entlassen, wobei wirtschaftliche und familiäre Gründe sowie Alter eine Rolle spielten. Während die Briten die etwa 3 Millionen Gefangenen auf deutschem Boden bis Mitte August 46 entlassen hatten, blieben die in England oder anderen Ländern in britischem Gewahrsam befindlichen deutschen Soldaten noch bis Herbst 48 in Gefangenschaft. Die USA übergaben ihre Gefangenen teils den westlichen Alliierten zum Arbeitseinsatz (Rheinwiesenlager), teils leiteten sie die Entlassung über die US Disbandment Disbursing Centers (Heilbronn, Lollar, Bamberg) ein. In Frankreich kam es erst 1947 zu einem allgemeinen Entlassungsplan mit 15 Kategorien und Quoten, der im Wesentlichen eingehalten wurde. Am 8.12.48 traten die letzten deutschen Soldaten aus Frankreich die Heimfahrt an. In Belgien wurden die Gefangenen schleppend vom März 46 bis 23.2.48 heimgeschafft, da sie als Arbeitskräfte dringend benötigt wurden. In den Niederlanden befanden sich v.a. Gefangeneneinheiten zum Minenräumen, die bis Ende 47 in die britische Zone überführt wurden, Luxemburg ließ seine Gefangenen bis September 47 frei.

    Problematisch war die Heimkehr aus der UdSSR. Zwar wurden laufend Gefangene entlassen, doch handelte es sich zunächst nur um arbeitsunfähige deutsche Soldaten. Erst auf westliche Intervention auf der Moskauer Außenministerkonferenz im März 47 hin wurde beschlossen, bis 21.12.48 alle Gefangenen nach Deutschland zurückzuführen. Dies hielt die Sowjetunion nicht ein und beschuldigte die Westmächte mit Memorandum vom 24.1.49 des Bruchs der Vereinbarung unter Bezug auf die insbesondere in Frankreich und Großbritannien freiwillig zurückgebliebenen "Zivilarbeiter". Auch die gleichzeitig angekündigte Repatriierung aller in sowjetischem Gewahrsam zurückgehaltenen deutschen Gefangenen bis Ende 49 wurde nicht eingehalten. Ende Dezember 50 beschäftigte sich daraufhin die UN mit der Frage, doch boykottierte Moskau die Sitzungen und verweigerte Auskünfte über die vom DRK-Suchdienst genannten 100 000 deutschen Gefangenen. Mitte März war die Liste aller im Osten vermissten deutschen Soldaten auf 15 Bände mit fast 1,3 Millionen Namen angewachsen. Erst nach Stalins Tod (5.3.53) lockerte sich die sowjetische Haltung und es trafen wieder Heimkehrertransporte mit amnestierten, von sowjetischen Militärgerichten wegen Kriegsverbrechen verurteilten Gefangenen ein. Beim Besuch von Bundeskanzler Adenauer in Moskau 1955 konnte die Rückführung der letzten noch in der UdSSR verbliebenen Gefangenen vereinbart werden. Danach kamen noch die Nichtamnestierten und schließlich noch ein Transport mit Schwerkranken aus Kasan (Tatarische SSR).