Elsass-Lothringen

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    (französisch Alsace-Lorraine), östliche Grenzregion Frankreichs mit 14 500 km² und 1,9 Millionen Einwohnern (1939), bestehend aus den Departements Haut-Rhin, Bas-Rhin und Moselle, wichtige Städte u.a. Straßburg, Kolmar, Metz. Seit 1552 allmählich vom Deutschen Reich gelöst, wurde Elsass-Lothringen nach der Französischen Revolution von 1789 ganz an Frankreich angeschlossen und zunehmend französisiert. Nicht zuletzt mit Blick auf die reichen Kohle- und Erzvorkommen im Lothringer Becken annektierte Deutschland Elsass-Lothringen nach dem Sieg von 1871, verlor es aber erneut nach dem 1. Weltkrieg. Wie zuvor die kaiserlichen Statthalter musste sich nun die französische Regierung mit einer starken Autonomiebewegung und nach 1933 mit einer wachsenden Anhängerschaft des Nationalsozialismus. auseinandersetzen; der elsässische NS-Führer Roos wurde wegen Spionage erschossen. Das zweisprachige Grenzland spielte in der französischen Verteidigungsstrategie nach dem Bau der Maginot-Linie eine Schlüsselrolle. Bei Kriegsbeginn wurden die grenznahen Gebiete evakuiert; in Straßburg waren nur noch wenige hundert Einwohner zurückgeblieben, als die Stadt am 21.6.40 kampflos von deutschen Truppen besetzt wurde.

    Deutschland hatte 1925 im Locarnopakt auf Elsass-Lothringen verzichtet; nach 1933 versicherte Hitler wiederholt, er wolle sich nie mehr um den "jahrhundertealten Zankapfel" streiten. Dennoch wurde das Gebiet schon wenige Wochen nach dem Waffenstillstand 1940 unter Protest der Vichy-Regierung de facto dem Reich wieder angegliedert: Elsass zu Baden, Lothringen zum Gau Westmark. Der Gebrauch der französischen Sprache wurde untersagt, das kulturelle Leben unter den Gauleitern Wagner und Bürckel rigoros germanisiert - bis hin zum Verbot von Baskenmützen; eine elsässische SA wurde gegründet, die nationalsozialistische "Volksdeutsche Bewegung" zählte nach deutschen Angaben Mitte 41 über 250 000 Mitglieder. Elsass-Lothringen wurde einbezogen ins Programm der nationalsozialistischen Judenverfolgung, in Natzweiler (Struthof) entstand ein Konzentrationslager. Allmählich entwickelte sich eine immer stärkere Opposition gegen die deutschen Besatzer, Flüchtlinge organisierten in Frankreich u.a. eine Brigade Alsace-Lorraine, die der Schriftsteller André Malraux unter dem Decknamen Colonel Berger befehligte. Sie kämpfte im Herbst 44 mit der französischen 1. Armee (de Lattre de Tassigny) in den Südvogesen und beteiligte sich im Januar/Februar 45 an der Schlacht um Kolmar. Die 3. US-Armee (Patton) hatte Anfang September 44 Lothringen erreicht, doch der deutsche Widerstand versteifte sich an der Mosel, um Metz entbrannten schwere Kämpfe und erst am 22.11. konnte die alte Festung genommen werden. Auf dem rechten Flügel fiel Straßburg einen Tag später, geriet aber im Januar 45 bei der deutschen Gegenoffensive "Nordwind" noch einmal in Gefahr.