El Alamein

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Bahnstation von El Alamein

    ägyptische Ortschaft knapp 100 km südwestlich Alexandria, 3 km vom Mittelmeer entfernt an der Bahnlinie nach Sollum. Nach der Eroberung Tobruks kam Ende Juni 42 bei El Alamein der Vormarsch der deutsch-italienischen Panzerarmee Afrika (Rommel) zum Stehen, da es der britischen 8. Armee (Auchinleck) gelang, hier in der Enge zwischen Küste und der unpassierbaren Kattarasenke eine stabile Auffangstellung zu bilden. Am 1.7. versuchte Rommel mit einem Angriff des Deutschen Afrikakorps beiderseits des Ruweisatrückens südlich El Alamein vorbeizustoßen, wurde aber bei zwei Anläufen vom 2. bis 4.7. von der britischen Panzerdivision zurückgeworfen; auch die weiter nördlich angesetzte 90. leichte Division scheiterte, der südliche Flankenangriff der italienischen Division "Ariete" brach im Feuer neuseeländischen Artillerie zusammen. Als am 11.7. die australische 9. Division aus El Alamein ausbrach, musste Rommel, auch wegen der erheblichen Nachschubprobleme, den Durchbruchsversuch nach Alexandria und ins Niltal aufgeben und zur Verteidigung übergehen. Auchinleck legte ebenfalls eine Atempause ein, die Churchill jedoch mit Ungeduld sah; am 13.8. löste Montgomery den Oberbefehlshaber ab. Jeder Tag des Wartens stärkte die britische Position, da v.a. über die Kaproute durch den Suezkanal ein nie versiegender Nachschubstrom bis direkt in Frontnähe floss. Von den Lieferungen für die Panzerarmee Afrika gingen dagegen - v.a. durch Angriffe von Malta aus - schon auf See im August 42 über 30% verloren, auf dem 2000 km-Weg von Tripolis oder auch auf der nur 600 km langen Strecke von Tobruk wurden die Landtransporte zunehmend Opfer britischer Luftangriffe. Rommel suchte daher Ende August/Anfang September eine schnelle Entscheidung mit der Schlacht von Alam Halfa, die aber schon zeigte, dass sich die Gewichte endgültig zugunsten der Briten verschoben hatten.

    Jetzt konnten sich alle Anstrengungen nur noch darauf beschränken, einen britischen Durchbruch zu verhindern. Längs der gesamt rund 50 km langen Front ließ Rommel tiefgestaffelte Minenfelder ("Teufelsgärten") anlegen und hielt seine Panzerverbände im rückwärtigen Gebiet in Reserve, um etwaige Einbrüche abzuriegeln. Wegen einer Erkrankung musste er dann aber nach Deutschland und erfuhr dort am 23.10.42 vom Beginn der Entscheidungsschlacht bei El Alamein: Die britische 8. Armee trat mit 195 000 Mann, 1029 Panzern, davon 252 amerikanischen Sherman, 880 Flugzeugen, 1400 Pak und 1200 Geschützen zum Angriff auf die deutsch-italienischen Stellungen an. Sie wurden gehalten von 96 000 Mann mit 530 Panzern - in der Mehrzahl veraltete italienische Kampfwagen -, 362 einsatzbereiten Flugzeugen, 750 Pak und 470 Geschützen. Im Unklaren über die Richtung des britischen Hauptstoßes waren die Verteidiger verstreut: Im Süden standen die italienische Division "Pavia", "Folgore" und "Brescia" sowie dahinter die Panzerdivision "Ariete" und die deutsche 21. Panzerdivision dem britischen XIII. Korps (Horrocks) gegenüber, im Zentrum und im Norden erwarteten die Division "Bologna", "Trento" und die deutsche 164. Division sowie dahinter die Panzerdivision "Littorio" und die deutsche 15. Panzerdivision den Angriff des britischen X. (Lumsdon) und XXX. Korps (Leese). Er begann um 21.40 Uhr mit einem Feuerschlag der Artillerie an der gesamten Front. Erst als nach mehrstündigem Trommelfeuer die Infanterie des britischen XXX. Korps vorging, wurde klar, dass der Durchbruch nicht wie erwartet im Süden, sondern an der Nahtstelle von "Trento" und deutscher 164. Division versucht werden sollte. Bei Rommels Rückkehr am 25.10. war sein Stellvertreter General der Panzertruppen Stumme einem Herzanfall erlegen, hatten die britische 1. und 10. Panzerdivision zwei Lücken in die Stellungen der Verteidiger geschlagen, drohte die australische 9. Division zur Küste durchzubrechen. Die am 27.10. von Süden herangeführte deutsche 21. Panzerdivision konnte noch einmal die Lage stabilisieren, ehe Sprit- und Munitionsmangel Schlagkraft und Beweglichkeit bedrohlich herabsetzten. Zudem hatten die Briten die totale Luftherrschaft über dem Schlachtfeld und zerschlugen die gegnerischen Stellungen mit Teppichwürfen v.a. amerikanischer Marauder-Bomber. Am 2.11. um 1 Uhr brach schließlich die verstärkte neuseeländische 2. Infanteriedivision, gefolgt von Panzern, am Kidneyrücken durch die deutsch-italienische Front. Rommel befahl den Rückzug, den Hitler am 3.11. jedoch nicht genehmigte, sodass erst nach weiteren schweren Verlusten v.a. des Deutschen Afrikakorps und des italienischen XX. Korps am 4.11. die Rücknahme der Truppen eingeleitet werden konnte. Immer in Gefahr, von nachstoßenden britischen Verbänden überholt zu werden, gelang ein geordneter Rückzug, der erst nach Räumung der Cyrenaika und ganz Tripolitaniens an der Mareth-Linie vorübergehend endete. Die Schlacht bei El Alamein hatte den Afrikafeldzug entschieden.