Eben Emael

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Eben Emael. Deutsche Fallschirmjäger nach der Einnahme von Eben Emael am 11. Mai 1940

    belgische Sperrforts zwischen Lüttich und Maastricht am Albertkanal, 1932/35 nach dem Muster einer Werkgruppe der Maginot-Linie zur Sicherung von 3 Brücken errichtet. Das 60 Hektar große Eben Emael galt nach Lage, Befestigung und Bewaffnung als uneinnehmbar mit herkömmlichen Methoden. Bewaffnet war das 3-stöckige Befestigungswerk u.a. mit einer Panzerkuppel, deren 2x12-cm-Geschütze 16 km Reichweite hatten, 2 Panzerkuppeln mit je 2x7,5 cm, 11 km Reichweite, sowie vier Kasematten mit je 3x7,5-cm-Kanonen. Die 40 m hohen Steilwände des Forts wurden von 6-cm-Pak und MG aus Bunkern bestückt, allerdings gab es auch tote Winkel im artilleristischen Schussfeld. Bei einer Sollstärke von 1200 Mann waren Anfang Mai 40 nur 650 Soldaten in Eben Emael stationiert, Kommandant war Major Jottrand.

    Die Ausschaltung von Eben Emael und der blitzartige Zugriff auf die Brücken über Maas und Albertkanal rangierten im deutschen Plan "Gelb" an oberster Stelle. Dafür stellte die Fallschirmtruppe die Sturmabteilung unter Hauptmann Koch bereit, die aus 4 Sturmgruppen bestand, darunter die Gruppe "Granit" mit 84 Fallschirmpionieren der 7. Luftlandedivision. Im Schlepp von 11 Ju 52 hoben ihre bis dahin streng geheimen Kampfsegler DFS 230 am 10.5.40 kurz vor Tagesanbruch von zwei Kölner Flugplätzen ab, an Bord 6 MG, 4 Flammenwerfer und 2400 kg Sprengstoff. Zwei Segler mussten notlanden, die anderen schwebten um 5.25 Uhr beim ersten Tageslicht auf das Dach der Kampfanlage. Gegen den lautlosen Überfall aus der Luft war sie mit nur 3 Fla-MG auf Zwillingslafetten im Südosten so gut wie ungesichert, Stacheldrahtverhaue auf Kuppeln und Wällen fehlten. Die Überraschung gelang perfekt. Die Gruppe unter Oberleutnant Rudolf Witzig hatte sich an Modellen so gründlich vorbereitet, dass sich jeder Soldat sofort zurechtfand. Die Fla-Stellungen wurden in den ersten 10 Minuten ausgeschaltet, die Kuppeln mit neuartigen Hohlladungen neutralisiert. Die Werke 15 und 16 im Norden entpuppten sich als pompöse Blechattrappen. Die Belgier konnten die kleine Sturmtruppe weder mit Artilleriefeuer von außerhalb noch durch den zaghaften Gegenangriff der 7. Division vertreiben. Die Führung ließ sich durch deutsche Transportflugzeuge täuschen, die weitab von Eben Emael zahlreiche Puppen an Fallschirmen absetzten. Während Stukas über Eben Emael kreisten, verharrte die Garnison wie gelähmt in den unterirdischen Betongewölben, im Gefechtsstand häuften sich alarmierende Meldungen, ohne dass man ein genaues Bild über Art und Zahl der Angreifer gewann. Inzwischen hatten die Angriffsspitzen des XVI. Panzerkorps (Hoepner) die von Fallschirmjägern eroberten Brücken erreicht, das Pionierbataillon 51 (Oberstleutnant Mikosch) war auf dem Landweg herangekommen. Am Morgen des 11.5. gelang einem Stoßtrupp die Überquerung des Festungsgrabens in Schlauchbooten, gegen Mittag drangen die Pioniere von außen in Eben Emael ein, die Verteidiger gaben auf, der Kommandant nahm sich das Leben, 24 Mann waren gefallen, 59 verwundet. Die Angreifer hatten 6 Gefallene und 20 Verletzte verloren.