Deutsch-Sowjetischer Nichtangriffsvertrag

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    am 23.8.39 in Moskau auf 10 Jahre geschlossener Pakt zwischen dem Deutschen Reich und der UdSSR. Seit dem Münchener Abkommen der Westmächte mit den faschistischen Diktatoren (30.9.38) von tiefem Misstrauen gegenüber Großbritannien und Frankreich erfüllt und wegen des Aderlasses der "großen Säuberungen" in keiner Weise auf einen militärischen Konflikt vorbereitet, konnte sich Stalin 1939 trotz intensiver westlicher Bemühungen nicht zu einem Arrangement mit den Demokratien entschließen. Hingegen stießen deutsche Angebote zu einer Verständigung in Moskau auf Interesse, sodass es trotz des jahrelangen Propagandakriegs gegen den "jüdisch-bolschewistischen Todfeind" bzw. den "faschistischen Totengräber der Arbeiterklasse" zum Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt kam. Er verschaffte der Sowjetunion den dringend benötigten Zeitgewinn und dem Deutschen Reich die Sicherheit, die es für den Angriff auf Polen brauchte. Die deutsche Seite profitierte zudem von sowjetischen Rohstoff- und Lebensmittellieferungen, während die UdSSR die Modernisierung ihrer Industrie durch deutsche Maschinen und Know-how vorantreiben konnte. In einem geheimen Zusatzprotokoll, dessen Existenz erst seit Mitte der 1980er Jahre in der Sowjetunion offiziell eingeräumt wird, grenzten die Vertragspartner außerdem ihre Interessensphären ab (u.a. Baltische Staaten, Bessarabien, Finnland), und vereinbarten eine "vierte polnische Teilung" entlang der Curzon-Linie, sodass die UdSSR ein breites Sicherheitsglacis im östlichen Mitteleuropa erhielt. Der Deutsch-Sowjetische Nichtangriffspakt wurde am 28.9.39 durch einen Grenz- und Freundschaftsvertrag erweitert. Auch wenn der rasche deutsche Siegeszug dann die erhoffte "Selbstzerfleischung" der kapitalistischen Staaten nicht im erwünschten Ausmaß brachte, sollte sich die Atempause von fast zwei Jahren, die der Deutsch-Sowjetische Nichtangriffspakt der Sowjetunion schenkte, als mitentscheidend für den Kriegsausgang erweisen.