Danzig

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    seit 1919 Freistaat unter Völkerbundsaufsicht und Stadt an der Ostsee mit 260 000 Einwohnern (1939) im eigentlichen Stadtgebiet. Das nach dem 1. Weltkrieg ohne Abstimmung vom Deutschen Reich abgetrennte Danzig, dessen Außen- und Verteidigungspolitik Polen wahrnahm und in dem seit 1933, seit 1936 allein, die Nationalsozialisten die Macht ausübten, war ein ständiger Krisenherd, belastete die deutsch-polnischen Beziehungen und wurde von Hitler 1939 zum Kriegsgrund hochgespielt. Mit der Beschießung der Westerplatte am 1.9.39 durch das deutsche Linienschiff Schleswig-Holstein begann hier der 2. Weltkrieg. Danzig wurde noch am gleichen Tag dem Reich angegliedert, der polnische Widerstand auf der Westerplatte erlosch am 7.9., Hitler besuchte die Stadt am 19.9. Mit dem einem Buchtitel von Déat entlehnten Schlagwort "Mourir pour Danzig?" (Sterben für Danzig?) versuchte die nationalsozialistische Propaganda in Frankreich mit einiger Wirkung Stimmung gegen den am 3.9. dem Reich erklärten Krieg zu machen.

    Trotz der Lage weit im deutschen Osten wurde Danzig mehrmals Ziel alliierter Luftangriffe, u.a. am 11.7.42, als 44 Lancaster der britischen 5. Bomber Group gegen die Stadt eingesetzt wurden, von denen aber nur 15 das Ziel fanden, wobei 2 Maschinen Opfer der deutschen Flak wurden. Schwerere Schäden richtete ein amerikanische Angriff mit 378 Maschinen am 9.10.43 an; der erbitterte Endkampf um Danzig brachte dann erneut schwere Verwüstungen, ehe die von der deutschen 2. Armee (Weiß) verteidigte Stadt von der sowjetischen 2. Stoßarmee (Fedjuninski) am 30.3.45 genommen werden konnte.