Dössel

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Dorf 5 km nördlich Warburg (Westfalen), Standort eines Gefangenenlagers zunächst für britische, dann polnische Offiziere (Oflag VI B). Im August 43 wurde von Colditz (Oflag IV C) eine Gruppe polnischer Offiziere mit Ordonnanzen nach Dössel verlegt, wo kurz zuvor die britischen Gefangenen mit dem Bau eines Fluchttunnels begonnen hatten. Da die Briten jedoch noch vor Fertigstellung in ein anderes Lager verlegt wurden, weihten sie die Polen ein, die den Tunnel vollendeten. In der Nacht 19./20.9.43 gelang es 47 Mann zu fliehen, was erst am Morgen bemerkt wurde, als auf dem Bahnhof Soest 2 Flüchtlinge gefasst wurden. Es wurde eine Großfahndung ausgelöst, zumal am gleichen Tag 130 französische Offiziere aus dem Lager Edelbach bei Wien (Oflag XVII A) entwichen. Bis 24.9. waren 20 Polen wieder ins Lager Dössel zurückgebracht worden, die aber auf Befehl des Chefs Kriegsgefangenenwesen vom gleichen Tag ins KZ Buchenwald transportiert und dort ermordet wurden. Weitere 17 Polen wurden in den folgenden Wochen festgenommen und ebenfalls - vermutlich im Bereich der Stapo Dortmund - getötet. 10 Gefangenen aus Dössel soll die Flucht nach Polen oder in den Westen gelungen sein. Die wiederergriffenen Franzosen wurden in verschiedene Lager zurückgebracht.