Dänemark

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    an Schleswig-Holstein grenzendes nordeuropäisches Königreich mit 42 929 km² und 3,8 Millionen Einwohnern (1939). Noch im Mai 39 schloss Dänemark mit dem Deutschen Reich einen Nichtangriffsvertrag und wahrte nach Kriegsbeginn strikte Neutralität. Trotz der Warnungen des dänischen Botschafters in Berlin kam daher am 9.4.40 die Besetzung des Landes durch deutsche Truppen im Rahmen des Unternehmens "Weserübung" völlig überraschend. Die Reichsregierung bemühte sich, die Operation, die auf keinen nennenswerten Widerstand traf, als ausschließlich gegen Großbritannien gerichtet hinzustellen, und sicherte der dänischen Regierung und dem Königshaus weitestgehende Unabhängigkeit zu, die Armee wurde jedoch bis 20.4. demobilisiert. Kopenhagen ließ es bei einem formalen Protest bewenden; das schon am 10.4. gebildete neue Kabinett der nationalen Konzentration unter Ministerpräsident Stauning schlug einen Kurs der "Verhandlungspolitik" ein. Es konnte allerdings nicht verhindern, dass die mit Dänemark verbundenen Inseln Island und Grönland ins alliierte Lager schwenkten, auch die Färöer gingen nach britischer Landung (16.4.40) verloren, die meisten Einheiten der dänischen Flotte, die sich in fremden Gewässern befanden, verweigerten den Gehorsam und gingen zu den Briten über. Wehrmachtbefehlshaber Dänemarks wurde General Lüdke (Oktober 42 General v. Hanneken, 27.1.45 Generaloberst Lindemann), der deutsche Gesandte von Renthe-Fink wurde Reichsbevollmächtigter (5.11.42 Best). Abhängig vom deutschen Markt, musste Dänemark weitgehend der deutsche Politik folgen, rief nach dem deutschen Überfall auf Russland am 24.6.41 seinen Botschafter aus Moskau ab und trat am 25.11.41 dem Antikominternpakt bei. Die deutschen Pläne zur Integration des Landes in ein nach dem "Endsieg" zu bildendes "Großgermanisches Reich" fanden jedoch kaum Anhänger. 1939 auf knapp 2% der Stimmen gekommen, erreichten die von Frits Clausen geführten dänischen Nationalsozialisten auch 1943 nur 2,17%, und das trotz des Aufschwungs insbesondere der dänischen Landwirtschaft durch die deutschen Importe. Auch die Konsumgüterindustrie profitierte von der Umstellung der deutschen Wirtschaft auf Kriegsproduktion. In keinem der besetzten Länder Europas ging es Bevölkerung wie Besatzern während des Krieges so gut; Dänemark galt bei den Landsern als "Butterfront".

    Der Umschwung kam im August 43. Hauptgründe waren die sich verschlechternde Lage für die Wehrmacht an allen Fronten, der Tod des Ministerpräsidenten Stauning (3.5.43) und die überharte Reaktion der Besatzungsmacht auf vereinzelte Anschläge von Widerstandskämpfern. Als daraufhin Streiks aufflackerten, verlangte Berlin am 28.8.43 ultimativ die Aburteilung von Saboteuren durch Schnellgerichte und verhängte nach dänischer Weigerung den Ausnahmezustand. Die dänische Regierung trat daraufhin zurück, das Parlament löste sich auf, die restliche Flotte entzog sich deutschem Zugriff durch Selbstversenkung, König Christian X. erklärte sich zum Kriegsgefangenen, die Widerstandsbewegung organisierte sich in einem "Frihedsråd". Die deutschen Gegenmaßnahmen forderten 3213 Opfer (113 Hinrichtungen) und erstreckten sich nun auch auf die bis dahin verschonten dänischen Juden. Wegen rechtzeitiger Warnung konnten sich jedoch 7906 der bedrohten Personen nach Schweden in Sicherheit bringen, nur 492 fielen der SS in die Hände und wurden nach Theresienstadt deportiert, 423 überlebten. Im September 44 wurde die dänische Polizei aufgelöst und durch nationalsozialistische Hilfspolizei ersetzt, die mit brutaler Härte den dänischen Widerstand zu brechen suchte. Der Leidensweg des Landes endete mit der deutschen Teilkapitulation vor den Briten am 4.5.45 und dem Einlaufen britischer Kriegsschiffe in Kopenhagen am 9.5.; Bildung einer provisorischen Regierung unter dem Sozialdemokraten Wilhelm Buhl. Kritisch war nur noch die Situation der dänischen Insel Bornholm, die von sowjetischen Truppen besetzt wurde. Während die Westmächte Dänemark als verbündet betrachteten, zögerte Moskau damit wegen der feindseligen dänischen Politik zu Beginn des deutschen Russlandfeldzugs. Erst im April 46 gaben sie Bornholm zurück.