Coventry

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Coventry nach der Bombardierung durch die deutsche Luftwaffe in der Nacht vom 14. auf den 15. November 1940

    britische Industriestadt in den Midlands südöstlich von Birmingham mit 213 000 Einwohnern (1938). Mit einem konzentrierten Angriff auf Coventry eröffnete die deutsche Luftwaffe am 14./15.11.40 ihre Nachtoffensive ("Night Blitz") gegen britische Industrie- und Hafenstädte im Rahmen der Luftschlacht um England. Der Angriff zog sich über 10 Stunden vom Abend bis in den frühen Morgen hin; 449 Bomber, die z.T. zwei- bis dreimal über dem Ziel erschienen, warfen 503 t Sprengbomben und 881 Brandschüttkästen ab. 554 Menschen fanden den Tod, 865 wurden verletzt. Das Stadtzentrum ging fast völlig in Flammen auf, das Bild der ausgebrannten Backsteinkathedrale aus dem 14. Jahrhundert wurde von der britischen Propaganda in aller Welt verbreitet als Sinnbild deutscher Luftbarbarei. Nach Darstellung des OKW war der Angriff die Vergeltung für britische Bombenwürfe auf München und habe der örtlichen Rüstungsindustrie gegolten. Nach deutschen Luftbildern wurden 21 Werke, von denen 12 direkt für die RAF arbeiteten, getroffen, vielfach wurden dabei allerdings nur die Gebäude, nicht die Produktionsanlagen beschädigt.

    Den Nachtangriff eröffneten zwei Pfadfinderstaffeln des KG 100, die mit neuartigen X-Geräten ausgerüstet waren und über einen Funkleitstrahl ("Knickebein") bis übers Ziel geführt wurden, das sie für die nachfolgenden Geschwader markierten. Die Pfadfindertaktik wurde vom britischen Bomber Command aufgegriffen und mit neuen elektronischen Zielfindungsverfahren verfeinert. Auch die gegen Coventry praktizierte Methode des nächtlichen Flächenbombardements - von Goebbels zynisch als "coventrieren" bezeichnet - machte bei der RAF Schule. Britische Code-Spezialisten hatten schon am Nachmittag des 14.11. mit einem Enigma-Gerät die deutschen Funkbefehle für einen Großangriff entschlüsselt, letzte Sicherheit aber über das genaue Ziel bestand mangels Kenntnis der deutschen Operationsdecknamen nicht. Aus Geheimhaltungsgründen wurde deshalb auf eine Vorwarnung möglicher Ziele verzichtet.