Compiègne

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Waffenstillstandsverhandungen am 21. Juni 1940

    französische Stadt nordöstlich Paris im Departement Oise mit 18 900 Einwohnern (1940). Im Wald von Rethondes bei Compiègne unterzeichneten am 22.6.40 OKW-Chef Keitel und der französische Armeegeneral Huntziger die deutschen Waffenstillstandsbedingungen nach dem Frankreichfeldzug. Zur französischen Delegation gehörten außerdem der Staatssekretär im Außenministerium Léon Noell, Marinestabschef Vizeadmiral Maurice Le Luc, Divisionsgeneral Henri Parisot und Brigadegeneral der Armée de l'Air Jean Bergeret. Zweck des Vertrages war laut Präambel, eine Wiederaufnahme des Kampfes durch Frankreich unmöglich zu machen, Deutschland für die weitere Kriegführung gegen England alle erforderlichen Sicherheiten zu geben und die Voraussetzungen für einen künftigen Frieden zu schaffen, der eine "Wiedergutmachung des dem Deutschen Reich angetanen Unrechts" sein werde. Die Bedingungen: Demobilisierung der französischen Armee, Auslieferung von Waffen und Kriegsmaterial oder Lagerung unter deutscher Aufsicht, Besetzung des Landes bis zur Loire und an der gesamten Küste, Reduzierung der Waffenstillstandsarmee im unbesetzten Landesteil auf 100 000 Mann zuzüglich der Kontingente in den Kolonien, Internierung (nicht Auslieferung) der Kriegsflotte, Freilassung aller deutschen Gefangenen, auf Wunsch Überstellung deutscher Emigranten, Verbleib der französischen Gefangenen in deutschem Gewahrsam bis zu einem Friedensschluss. Der Waffenstillstand von Compiègne trat am 25.6.40 um 1.35 Uhr in Kraft.

    Seine Unterzeichnung fand im gleichen Salonwagen (No. 2419 D) des französischen Marschalls Foch statt, in dem am 11.11.18 der deutsche Staatssekretär Erzberger die alliierten Bedingungen für das Ende der Feindseligkeiten im 1. Weltkrieg hatte akzeptieren müssen. Der Waggon wurde wenig später nach Berlin gebracht, wo er einem britischen Luftangriff zum Opfer fiel. Das Denkmal des französischen Sieges von 1918, das die Aufschrift trug: "Hier zerbrach der verbrecherische Hochmut des Deutschen Reiches ..., besiegt durch die freien Völker, die es unterjochen wollte", ließ Hitler zerstören; das Standbild Fochs blieb unangetastet.