Colditz

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    sächsische Kleinstadt an der Zwickauer Mulde mit 6100 Einwohnern (1940). Das Jagdschloss von Colditz, ein ausgedehnter Gebäudekomplex über der Stadt, das um 1800 als Gefängnis, später Behindertenanstalt, eingerichtet worden war, diente in den 1930er Jahren als Kreisführerschule der NSDAP und wurde nach Kriegsbeginn zu einem Lager für besondere Kriegsgefangene (Prominente, Ausbrecher, "deutschfeindliche Elemente" u.a.) ausgebaut (Offizierlager/Oflag IVC). Zunächst für 200 polnische Offiziere vorgesehen, wurde Colditz mit sich weitenden Kriegsschauplätzen eine internationale Haftanstalt mit durchschnittlich 500 Mann, gegliedert in Nationalitäten. Trotz mancher Konflikte einte die Gefangenen die Konfrontation mit den deutschen Bewachern und das ständige Planen von Fluchtversuchen aus dem als "ausbruchsicher" eingestuften Colditz. Insgesamt gelang es 130 Gefangenen, die Wachen und Mauern zu überwinden, doch nur 32 wurden nicht gefasst. Die Strafen verschärften die ohnedies harten Lagerbedingungen, die gegen Kriegsende durch Überbelegung (zeitweise 1500 Mann) fast unerträglich wurden. Am 15.4.45 erreichten amerikanische Truppen Colditz, das nach dem Krieg v.a. in Großbritannien, Frankreich und den USA Stoff für zahlreiche Romane, Filme und in England sogar für ein Würfelspiel lieferte.