Cicero

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    1943/44 Spion in deutschen Diensten

    geboren: 1904 gestorben: 23. 1970 München


    eigentlich Elyesa Bazna. Kammerdiener des britischen Botschafters in Ankara. Der gebürtige Albaner bot dem deutschen Botschafter in der Türkei, von Papen, aus Geldgier und Britenhass im Oktober 43 geheime Dokumente aus dem Tresor seines Arbeitgebers, Sir Hugh Knatchbull Hugessen, an. Papen wurde von der Abwehr und dem RSHA zur Annahme der Offerte ermächtigt, obwohl man in Berlin eher an eine Falle des britischen Geheimdienstes glaubte. Bazna erhielt den Decknamen Cicero und belieferte die deutsche Botschaft in den folgenden Monaten mit Kopien von ca. 300 Dokumenten, die er mit Hilfe von Nachschlüsseln beschafft hatte. Die Schriftstücke waren von unterschiedlichem nachrichtendienstlichem Wert; sie gaben u.a. Aufschluss über die britische Nahostpolitik, v.a. über Versuche, die Türkei ins alliierte Lager zu ziehen. Am wichtigsten jedoch waren Hinweise auf die bevorstehende Operation "Overlord", die geplante Landung der Alliierten auf dem deutsch besetzten europäischen Kontinent, für die allerdings keine näheren Daten genannt waren. Die Erkenntnisse blieben zudem ungenutzt wegen der Rivalitäten der verschiedenen Nachrichtendienste in Berlin und ihres Argwohns Cicero gegenüber. Da weder Papen noch der zuständige Attaché Moyzisch Erfahrung in der Führung von Agenten hatten, geriet Cicero in Verdacht und wurde im Frühjahr 44 von einer deutschen Botschaftssekretärin den Engländern verraten. Der Kammerdiener, der bereits 300 000 Pfund kassiert hatte, konnte fliehen, seinen "Lohn" allerdings nur zum Teil genießen: Zwei Drittel waren von den deutschen Auftraggebern in gefälschten Noten ("Bernhard") gezahlt worden; Schadenersatzforderungen nach dem Krieg an die Bundesrepublik wegen der "Nazi-Betrügerei" blieben ergebnislos. Ciceros Geschichte ist bis heute beliebter Stoff für Sensationspresse und Agentenfilme.