Bulgarien

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Königreich auf dem Balkan mit 103 000 km² und 6,5 Mio. Einwohnern (1939), Hauptstadt Sofia. Als Teilnehmer am 1. Weltkrieg auf Seiten der Mittelmächte verlor Bulgarien bei Friedensschluss zahlr. Gebiete, die es in der Folgezeit durch konsequente Revisionspolitik zurückzugewinnen versuchte. Erst nach Kriegsbeginn 1939 jedoch bot sich dazu Gelegenheit durch Anlehnung an die Achsenmächte. Nach einem Besuch des bulgar. Ministerpräsidenten Filoff bei Hitler am 27.7.40 gab Rumänien am 7.9. die Süd-Dobrutscha an Bulgarien zurück. Sowjet. Versuche, den dt. Einfluss zu vermindern durch das Angebot eines Freundschaftsvertrags und der Unterstützung der bulgar. Forderung nach Zugang zur Ägäis, lehnte Sofia ab. Aber auch Mussolinis Einladung zur Teilnahme an seinem Krieg gegen Griechenland und einer damit verbundenen Wiedergewinnung Thrakiens fand angesichts der italien. Niederlagen wenig Interesse. Das dt. Werben hingegen um Bulgariens Beitritt zum Dreimächtepakt hatte am 1.3.41 Erfolg und brachte zudem die Genehmigung des Durchmarschs für dt. Truppen im Balkanfeldzug. In dessen Verlauf rückten bulgar. Truppen in das von der Wehrmacht eroberte Makedonien ein und besetzten auch Thrakien bis vor Saloniki, die Ägäis-Inseln Lemnos und Tenedos wurden Bulgarien angegliedert.

    Eine Teilnahme am Krieg gegen Russland lehnte Bulgarien jedoch ab, während es den Westmächten schon am 12.12.41 den Krieg erklärte. Nach den dt. Niederlagen im Osten und der Landung der Angloamerikaner im Süden bildete sich eine starke Opposition gegen die dt.-freundliche Politik des Königs und der Regierung. Nach jugoslaw. Vorbild entstand eine Partisanenbewegung, unterstützt aus der Luft durch brit. und amerikan. Materialabwürfe, und auch die offiz. Politik ging allmähl. auf Distanz zu Berlin: Am 17.3.43 lehnte das Parlament einstimmig die vom Dt. Reich geforderte Auslieferung der etwa 50 000 bulgar. Juden ab. Bulgarien, nach dem plötzlichen Tod König Boris' III. (28.8.43) von einem Regentschaftsrat für den minderjährigen Simeon II. geführt, nahm insgeheim u.a. in Kairo Verhandlungen mit den Alliierten auf und erklärte bei Näherrücken der Roten Armee und dem Zusammenbruch Rumäniens am 26.8.44 offiz. den "Rückzug aus dem Krieg". Doch auch der Abbruch der diplomat. Beziehungen zu Deutschland und der Rückzug aus Makedonien und Thrakien verhinderten nicht die sowjet. Kriegserklärung an Bulgarien am 5.9.44 und die - widerstandslose - Besetzung des Landes durch die Rote Armee, da Moskau den Sturz der prowestl. Regierung in Sofia wünschte, der am 9.9. durch Staatsstreich der kommunist. beherrschten "Vaterländ. Front" folgte. Am 11.10. verzichtete Bulgarien auf die Erwerbungen in Griechenland und Jugoslawien, am 26.10. wurde in Moskau der Waffenstillstand mit den Alliierten unterzeichnet, die Mitglieder des einstigen Regentschaftsrats wurden verhaftet und am 2.2.45 erschossen. Seit 8.9.44 offiz. im Krieg gegen Deutschland, stellte Bulgarien für den Endkampf auf dem Balkan rd. 200 000 Mann Fronttruppen zur Verfügung, von denen 32 000 fielen, vermisst oder verwundet wurden. In einem Volksentscheid am 8.9.46 wurde die Monarchie abgeschafft und Bulgarien zur Volksrepublik umgestaltet.