Bittersee

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    (Großer und Kleiner Bittersee), Seengebiet in Ägypten nordöstlich von Suez. In der Umgebung des Bittersees zwischen Ismailia und Suez sowie westlich von Ismailia in der Wüste errichtete die britische Armee zahlreiche Lager für deutsche Gefangene, u.a. bei Tell el Kebir (Camp 305), Fayid (Camps 306, 308, 309, 368), Fanara (307, 380), Gineifa (310) und Quassassin (379). Die Belegungsstärke erreichte nach der deutschen Kapitulation bis zu 15 000 (z.B. Camp 306, September 45). Die Gefangenen waren Angehörige des Deutschen Afrikakorps und der in Italien und Griechenland eingesetzten Verbände. Neben den Lagern bestanden insbesondere seit Herbst 45 viele Arbeitseinheiten ("German POW Artisan Working Companies" u.a.). Die Gefangenen waren im Allgemeinen in Zelten untergebracht, die Offiziere z.T. in festen Lehmbauten. Aus Sicherheitsgründen hatten die Briten die (großen) Lager in "Cages" für je 1000 Mann mit Stacheldraht unterteilt, ein Verkehr zwischen den einzelnen "Cages" war bis etwa Sommer 45 verboten. Die Verpflegung bezeichneten die Gefangenen bis Kriegsende als gut, wenn auch eintönig. Danach wurden die Verpflegungssätze - wie überall im britischen Gewahrsamsbereich - herabgesetzt und sogar noch weiter gesenkt, als in anderen Ländern schon wieder eine allmähliche Besserung eintrat. Durch Kauf zusätzlicher Nahrungsmittel in den Kantinen konnten die Gefangenen ihre Verpflegung jedoch aufbessern. Von Beginn der Gefangenschaft an bestand Arbeitspflicht für die Mannschaften, wobei es zunächst innerhalb der Lager nur wenige Arbeitsplätze gab. Erst als seit Herbst 45 auch außerhalb gearbeitet werden durfte, hatten alle zu arbeiten, u.a. beim völkerrechtswidrigen Einsatz zur Wartung von Flugzeugen und Panzern oder zum Entschärfen und Sprengen von Munition. Die Entlohnung war gering. Die Freizeit nutzten die Gefangenen zu sportlicher oder kultureller Betätigung, besuchten Sprachkurse und Lehrgänge. Auffallend ist, dass nach der Kapitulation der "Stacheldrahtkoller" in den Bitterseelagern erheblich zunahm; Selbstmorde und psychische Erkrankungen waren nicht selten. Neben der ungewissen Heimkehr dürften v.a. die klimatischen Bedingungen dafür ausschlaggebend gewesen sein. Ende Juli 46 begannen die Entlassungen, die sich bis Oktober 48 hinzogen. 1500 Mann blieben als "freie Arbeiter" freiwillig in britischen Diensten zurück.