Betriebsschließungen

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    im Deutschen Reich seit Kriegsbeginn Maßnahme zur Kräftekonzentration und Bevölkerungsmobilisierung, v.a. im "totalen Krieg" seit 1943. Es ging bei den Betriebsschließungen darum, "unmittelbar oder mittelbar" Arbeitskräfte für die Reichsverteidigung freizusetzen. Alle Betriebe, die nicht für die lebenswichtige Versorgung der Bevölkerung oder für kriegswichtige Aufgaben erforderlich waren, sollten geschlossen werden. Betroffen hiervon waren v.a. Kleinsthandel und -handwerk sowie das Luxus- und Gastronomiegewerbe. Die mit der Durchführung der Betriebsschließung befassten Behörden (Gauleitungen und berufsständische Organisationen) hatten erheblichen Ermessensspielraum, sodass es vielfach zu Unterlaufungen der Bestimmungen kam. Die Betroffenen empfanden die Betriebsschließungen daher oft als ungerecht. Es stellten sich zudem Versorgungsengpässe (v.a. in den "Luftnotgebieten") und Probleme bei der Arbeitskräfteumsetzung (vorübergehende Arbeitslosigkeit) ein. Während die betroffenen oder bedrohten kleinen Selbständigen sozialen Abstieg befürchteten, sahen die berufsständischen Vertretungen in den Betriebsschließungen zumindest anfangs eine Chance zur "notwendigen Bereinigung" und zur Verbesserung der Ertragslage der verbleibenden (leistungsfähigeren) Unternehmen. Der quantitative Erfolg der für die Mittelschichten insgesamt ambivalent wirkenden Maßnahmen war begrenzt (Freisetzung von rund 150 000 Arbeitskräften).