Benito Mussolini

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    italienischer Politiker

    geboren: 29. Juli 1883 in Predappio bei Forlì gestorben: 28. April 1945 in Giulino di Mezzegra am Comer See

    Mussolini verkündet am 10. Juni 1940 die italienische Kriegserklärung an Großbritannien und Frankreich.

    Lehrer, 1900 Eintritt in die Sozialistische Partei (PSI), 1909 Gründung und bis 1912 Leitung der Zeitschrift "Lotta di Classe", mehrmals wegen "Hetze" inhaftiert, 1912 Chefredakteur des sozialistischen Zentralorgans "Avanti", 1914 Trennung von den Sozialisten und Gründung der Zeitung "Popolo d'Italia", 1915 bis 17 Teilnahme am 1. Weltkrieg, 1919 Gründung der "Fasci di Combattimento" (Kampfbünde), gleichzeitig Kampf gegen sozialistische Revolutionäre wie kapitalistische "Ausbeuter". Mit einem Marsch seiner "Schwarzhemden" auf Rom am 28.10.22 meldete Mussolini seinen Machtanspruch an, wurde vom König mit der Bildung einer Koalitionsregierung beauftragt, drängte bald seine Partner beiseite und baute ein autoritäres Regime auf; Symbol: Rutenbündel (lateinisch fascis, daher der Begriff Faschismus) als Zeichen staatlicher Amtsgewalt. Als Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Polizeichef, Ministerpräsident und Minister zahlreicher Ressorts (zeitweise bis zu 8) ließ er sich als "Duce" (Führer) und "Capo di Governo" (Regierungschef) huldigen und sicherte seine Macht durch polizeistaatliche Willkür im Innern und imperialistische Politik nach außen.

    Mussolini kurz nach dem Kriegseintritt Italiens an der Alpenfront

    Bei diesen außenpolitischen Abenteuern fand Mussolini in dem zunächst als "Nachäffer" bespöttelten Hitler zunehmend Unterstützung wie z.B. bei der Annexion Abessiniens 1935/36 und verband sich mit ihm im Spanischen Bürgerkrieg 1936-39 zur Waffenbrüderschaft zugunsten Francos. Es entwickelte sich die "Achse Berlin-Rom", wobei Mussolini allerdings zusehends zum Juniorpartner herabsank. 1938 beim Münchener Abkommen gelang ihm noch einmal durch Gipfeldiplomatie die Abwendung des Krieges, auf den Italien weniger als alle anderen vorbereitet war, versprach aber militärischen Beistand für spätere kriegerische Verwicklungen des Deutschen Reiches im so genannten Stahlpakt (Mai 39). Dennoch blieb er im Polenfeldzug (September 39) dem Krieg fern, stürzte sich aber am 10.6.40 übereilt in den Kampf gegen Frankreich, da er angesichts des raschen Siegeslaufs der deutschen Wehrmacht bei der Verteilung der Beute zu spät zu kommen befürchtete. Er wurde damit und mit gescheiterten eigenen "Parallelkriegen" (Albanien, Balkan-, Afrikafeldzug) zum Gefangenen des tödlichen Hitlerschen Endsiegkonzepts.

    Als Feldherr war Mussolini glücklos, seine Personalpolitik bei der Vergabe von hohen Posten oder bei der Besetzung des Comando Supremo orientierte sich an persönlichen oder politischen Präferenzen und nicht an militärischen Erfordernissen. Seine schärfste Waffe, die große italienische Kriegsflotte, ging im Kampf mit der Royal Navy im Mittelmeer ruhmlos unter. Als Meister der Pose - nach dem Fall Tobruks (21.6.42) ließ er sich eine Phantasieuniform für den Einritt in Kairo schneidern - entwickelte er bei sinkendem Kriegsglück immer operettenhaftere Züge und verschärfte zugleich den Terror im Innern. Die Entfremdung zwischen dem kriegsmüden italienischen Volk und dem "Duce" wuchs, und der Faschistische Großrat vollstreckte nur ein allgemeines Urteil, als er am 25.7.43 Mussolini entmachtete und verhaften ließ. Zwar befreiten ihn am 12.9.43 deutsche Fallschirmjäger aus einem Hotel auf dem Gran Sasso, doch fristete Mussolini fortan als nomineller Chef einer "Repubblica Sociale Italiana" in Norditalien das Dasein einer Marionette seiner deutschen Aufseher. Als er sich bei Kriegsende in die Schweiz absetzen wollte, wurde er von Partisanen ergriffen und zusammen mit seiner Geliebten Clara Petacci erschossen.