Belgrad

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Deutsche Soldaten im Vormarsch auf Belgrad

    Hauptstadt Jugoslawiens mit rund 410 000 Einwohnern (1940). Das fast unverteidigte Belgrad wurde zum Auftakt des deutschen Balkanfeldzugs am 6.4.41 in fünf Angriffswellen von 484 Maschinen der deutschen Luftflotte 4 (Löhr) bombardiert. Die Angriffe richteten sich vor allem gegen das Verkehrsnetz, den Flughafen und das Regierungsviertel im Zentrum der Stadt. Daher gab es auch unter der Zivilbevölkerung erhebliche Verluste (über 1500 Tote). Zugleich aber gelang die Unterbrechung von Befehls- und Nachrichtensträngen, sodass eine koordinierte Kampfführung gegen die einmarschierenden deutschen Truppen entscheidend erschwert wurde. Am 11.4.41 erreichten die Spitzen der 11. Panzerdivision Belgrad, wo am 17.4. der jugoslawische Oberbefehlshaber General Kalafatovic die Kapitulation seines Landes unterzeichnete. Am 25.8.43 richtete der deutsche Oberbefehlshaber Südost Generalfeldmarschall von Weichs in Belgrad sein Hauptquartier ein, obwohl gerade in Serbien die Partisanentätigkeit stark zugenommen hatte und Anschläge auch in der Hauptstadt an der Tagesordnung waren. Wehrmachttransporte von und nach Belgrad konnten nur noch in geschützten Geleitzügen verkehren, der Nachrichtenverkehr war empfindlich gestört. Als Repressalie ließ die deutsche Besatzungsmacht vornehmlich in Belgrad zahlreiche Geiseln erschießen, wobei als "Sühnequote" 100 Personen für einen getöteten und 50 für einen verwundeten deutschen Soldaten festgelegt wurde (später halbiert). "Sühnegefangene" sollten nach einem Befehl vom 20.12.41 v.a. sein: "nicht mit der Waffe betroffene Kommunisten, Zigeuner, Juden, Verbrecher und dergleichen". Daneben griff man auf Personen des öffentlichen Lebens zurück. Allein bis Dezember 41 wurden nach einer Aktennotiz der Dienststelle des Kommandierenden Generals in Serbien 11 164 Personen im Zuge von "Sühnemaßnahmen" exekutiert. Der Militärverwaltungschef von Belgrad, SS-Gruppenführer Turnér, wurde wegen solcher Verbrechen nach dem Krieg hingerichtet. Dieses Schicksal teilte Generaloberst Löhr, der die Luftangriffe auf Belgrad geleitet hatte. Die Stadt wurde am 15.10.44 vom sowjetischen IV. motorisierten Korps mit Hilfe der Partisanenarmee Titos eingeschlossen und nach fünf Tagen genommen.