Bedingungslose Kapitulation

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    englisch: unconditional surrender

    Unterzeichnung der Kapitulation im sowjetischem Hauptquartier Karlshorst durch Generalfeldmarschall Keitel, Generaloberst Stumpff und Generaladmiral von Friedeburg

    erstmals auf der Casablancakonferenz am 24.1.43 von US-Präsident Roosevelt ohne Absprache mit Churchill formulierte alliierte Forderung, nach der die Feindseligkeiten gegen die Achsenmächte nur bei völliger Unterwerfung unter das Diktat der Sieger eingestellt werden sollten. Eine Bedingungslose Kapitulation hatte es schon einmal im amerikanischen Bürgerkrieg 1865 gegeben. Auf sie bezog sich Roosevelt, der eine "Dolchstoßlegende" wie nach dem 1. Weltkrieg vermeiden wollte, und erklärte, die Forderung richte sich nicht gegen die Völker, sondern nur gegen ihre faschistischen Führer. Die Sowjetunion übernahm die Formel von der Bedingungslosen Kapitulation zwar ausdrücklich am 1.5.43, modifizierte sie aber in der Praxis bei der Eroberung der deutschen Satellitenstaaten wie Bulgarien, Rumänien, Ungarn und Jugoslawien. Aber auch die Angloamerikaner wichen von der Forderung ab beim Sonderwaffenstillstand mit Italien im September 43, der zur Vermeidung der Formulierung zunächst als "vorläufig" bezeichnet wurde. Dem Deutschen Reich gegenüber beharrten die Alliierten jedoch insgesamt seit Jalta auf der Bedingungslosen Kapitulation, die am 7.5.45 im Hauptquartier Eisenhowers in Reims u.a. von Generaloberst Jodl und, diesmal im Beisein auch eines französischen Vertreters (de Lattre de Tassigny), zwei Tage später für den 8.5.45 im sowjetischen Hauptquartier in Berlin Karlshorst u.a. von Generalfeldmarschall Keitel unterzeichnet und durch die Junideklaration sowie das Potsdamer Abkommen vollstreckt wurde.

    Am 2. September 1945 wurden an Bord des Schlachtschiffes "Missouri" die Kapitulationsurkunden unterzeichnet. Der Zweite Weltkrieg war damit amtlich beendet.

    Die völkerrechtlich bedenkliche Forderung nach Globalvollmacht für die Siegermächte war selbst in westlichen Militärkreisen auf Kritik gestoßen, weil sie Volk und Führung nur fester aneinander binden würde. Die nationalsozialistische Propaganda für einen totalen Krieg war nicht zuletzt Folge der alliierten Politik einer Bedingungslosen Kapitulation, die zudem die Lage des deutschen Widerstands entscheidend verschlechterte. Das Konzept des "total victory" erwies sich auch Japan gegenüber als problematisch und ließ sich nicht uneingeschränkt durchhalten. Da nur der Kaiser den Truppen die Waffenstreckung mit der erforderlichen Autorität befehlen konnte, willigten die Alliierten schließlich in die Bedingung der Beibehaltung der Monarchie, sodass die längst mögliche Beendigung des Pazifikkrieges erst am 2.9.45 nach Einsatz der Atombombe und dem Eingreifen der UdSSR in Fernost unterzeichnet werden konnte.