Aufklärung (Militär)

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Gesamtheit der Maßnahmen zur Erlangung von Informationen über Stärke, Dislozierung, Bewegung, Gliederung, Bewaffnung, Ausrüstung und Absichten eines Gegners. Man unterscheidet Erd-, Luft- und Seeaufklärung sowie funktechnische Aufklärung und Aufklärung durch Agenten (Abwehr). Die Aufklärung umfasst Beobachtung, "gewaltsame" Aufklärung zur Einbringung von Gefangenen, die vernommen werden können, sowie Aufklärung mit Hilfe technischer Mittel.

    Alle deutschen Divisionen besaßen eine Aufklärungsabteilung (Bataillon) zur Aufklärung im Kampfgebiet, die aus 2-3 Schwadronen (Kompanien) bestand, meist 1 Kraftradschützen-, 1 Panzerspähwagen- und 1 schwere Schwadron. Bei der Luftwaffe bestanden Staffeln für Nah- und Fernaufklärung. Die Nahaufklärer dienten der Überwachung des Gegners im frontnahen Raum, die Fernaufklärer sollten - entsprechend ihrer Reichweite - das gegnerische Hinterland überwachen. Bei Kriegsausbruch besaß die Luftwaffe 23 Fernaufklärungsstaffeln mit 379 Flugzeugen, von denen 10 Staffeln für die Zusammenarbeit mit dem Heer vorgesehen waren. Daneben existierten 30 Nahaufklärungsstaffeln mit insgesamt 342 Flugzeugen, meist veraltete Heinkel He 45 und He 46 und nur wenige neuere des Typs Henschel Hs 126. Die dem Heer unterstellten Aufklärer wurden bei Kriegsbeginn bei den Armeen unter einem "Kommandeur der Luftwaffe" (Koluft) im Rang eines Obersten zusammengefasst, während die bei den Heeresgruppen einem "Koluft" im Generalsrang (Generalmajor der Luftwaffe) unterstanden.

    Die Seefliegerverbände der deutschen Luftwaffe - Oberbefehlshaber Göring hatte sich nicht entschließen können, diese der Kriegsmarine zu überlassen - verwendeten zur Aufklärung über See in erster Linie Flugboote mit großer Reichweite zunächst vom Typ Do 18, später Do 24, Do 26 und Blohm & Voß Bv 138. Von den bei Kriegsbeginn vorhandenen 16 Seefliegerstaffeln waren 4 mit Do 18 ausgerüstet, insgesamt 62 Maschinen. Alle modernen Schlachtschiffe und Kreuzer besaßen Aufklärungsflugzeuge vom Typ Arado Ar 196, ein robustes Schwimmerflugzeug, das von den Schiffen per Katapult gestartet wurde. Auch sämtlichen deutschen Hilfskreuzern wurden Aufklärungsflugzeuge mitgegeben.

    Die Funkaufklärung diente der Erfassung und Entschlüsselung des gegnerischen Funkverkehrs. Dem deutschen Funkbeobachtungsdienst (B-Dienst) gelang es im Lauf des Krieges immer wieder, in den alliierten Funkverkehr einzubrechen und den benutzten Code zu "knacken", wenn auch diese Bemühungen letztlich die alliierten Erfolge mit "Ultra" nicht erreichen konnten. Besonders bewährte sich die Abteilung III des deutschen Marinenachrichtendienstes (MND III).