Atombombe

    Aus Lexikon Zweiter Weltkrieg

    Waffe, die die bei der Atomkernspaltung frei werdende Energie nutzt und damit eine allen herkömmlichen Sprengstoffen weit überlegene Explosivkraft entwickelt. Der Bau einer Atombombe war möglich geworden, nachdem im Dezember 38 den deutschen Wissenschaftlern Otto Hahn (1879-1968) und Fritz Straßmann (1902-1980) die erste Kernspaltung gelungen war, indem sie Uran mit Neutronen "beschossen" hatten. Dabei waren Urankerne in Bariumkerne zerfallen und hatten außer Energie zusätzliche Neutronen freigesetzt, die bei genügend spaltbarem Material eine selbstlaufende Kettenreaktion von Kernspaltungen auslösen würden. Hahns langjährige Mitarbeiterin Lise Meitner (1878-1968), die als Jüdin hatte emigrieren müssen, und der dänische Physiker Niels Bohr (1885-1962) vollzogen die Ergebnisse der deutschen Forscher in den USA nach. Sie fanden v.a. im italienischen Emigranten Enrico Fermi (1901-1954) und in dem deutschen Emigranten Einstein aufmerksame Zuhörer. Einstein war es dann, der mit seinem Schreiben vom 2.8.39 an US-Präsident Roosevelt das gigantische später so genannte Manhattan Project in Gang setzte, in das auch die britischen Vorarbeiten für den Bau einer Atombombe integriert wurden.

    Die Warnungen vor einer deutschen Atombombenentwicklung erwiesen sich allerdings als unnötig, obschon die deutschen Forscher über das erforderliche Know how verfügten. Ihnen standen aber weder die benötigten Industriekapazitäten zur Verfügung, noch erhielten sie die entsprechende politische Förderung. Hitler sah in der Atomphysik "jüdisches Blendwerk", favorisierte die Entwicklung der V-Waffen und unternahm nichts zur Bündelung der diversen Kernforschungsprojekte. So arbeiteten Stellen des Postministeriums der SS und der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft eher gegen- als miteinander und so blieb es beim Bau von Versuchsreaktoren, die obendrein unter der Knappheit an Schwerem Wasser litten, das als Dämpfsubstanz diente. Ein Uranbrenner in Kummersdorf fiel 1945 den Sowjets, ein weiterer in Haigerloch den US-Truppen in die Hände.

    Inzwischen glückte Fermi am 2.12.42 in seinem Atommeiler in Chicago die erste Kettenreaktion, die bei den geflohenen europäischen Wissenschaftlern die Hoffnung nährte, mit der neuen Waffe Hitler-Deutschland bezwingen zu können. Doch trotz aller Anstrengungen kam die Atombombe für den europäischen Kriegsschauplatz zu spät. Der Einsatz gegen Japan aber schien vielen Mitarbeitern an der Entwicklung unnötig und nicht im Sinne des Auftrags, wurde jedoch nach dem Testerfolg von Alamogordo am 16.7.45 von US-Präsident Truman dennoch angeordnet, weil man übertriebene Befürchtungen über mögliche Verluste bei einer Invasion des japanischen Mutterlandes hegte und den so aufwändig produzierten Trumpf - auch im Hinblick auf die immer schwierigeren Verhandlungen mit der Sowjetunion - um jeden Preis ausspielen wollte. So wurden nach einigen Kontroversen über die Angriffsziele die Städte Hiroshima (6.8.45) und Nagasaki (9.8.45) Opfer der ersten Atombombenabwürfe.

    Die Sprengwirkung der Atombombe wird im Vergleich zu herkömmlichem Sprengstoff angegeben in Kilotonnen (KT) = 1000 t Trinitrotoluol (TNT) oder Megatonnen (MT) = 1 Millionen t TNT. Die Zerstörungen durch die Explosion werden zu 50% von der Druckwelle, zu 35% durch Hitze und zu 15% durch Radioaktivität ausgelöst. Es entsteht ein Atompilz, in dessen Zentrum ungeheure Drücke und Temperaturen bis zu 20 Millionen Grad C herrschen. Die radioaktive Verseuchung kann durch den so genannten Fallout weit über das eigentliche Explosionsgebiet hinausreichen und noch nach Jahren v.a. durch Erzeugung bösartiger Tumore Opfer fordern.